Eskaltion in Nahost : Hamas feuert 220 Geschosse auf Israel

Radikale Palästinensergruppen feuern aus dem Gazastreifen Raketen in Richtung Israel. /AP
Radikale Palästinensergruppen feuern aus dem Gazastreifen Raketen in Richtung Israel. /AP

Militante Palästinenser feuern 220 Raketen und Mörsergranaten auf israelisches Gebiet. Israel bombardiert Dutzende Hamas-Ziele in dem schmalen Küstenstreifen. Hält eine danach verkündete Waffenruhe?

shz.de von
15. Juli 2018, 21:26 Uhr

Ein heftiger Schlagabtausch zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas hat die Furcht vor einem neuen Krieg befeuert.

Militante Palästinenser griffen Israel seit Freitagabend mit mehr als 220 Raketen und Mörsergranaten an, wie die israelische Armee am Sonntag mitteilte. Israels Luftwaffe bombardierte gleichzeitig Dutzende Hamas-Ziele. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, die Armee habe der Hamas mit massiven Luftangriffen den «härtesten Schlag» seit dem Gaza-Krieg 2014 versetzt.

Bei einem Angriff auf ein Hamas-Gebäude in Gaza wurden am Samstag nach Angaben des Gesundheitsministeriums in dem Küstengebiet zwei Jugendliche getötet und 14 weitere Menschen verletzt. Seit dem 30. März haben israelische Soldaten bei teils gewaltsamen Protesten an der Gaza-Grenze nach palästinensischen Angaben rund 140 Menschen getötet. Viele davon waren Hamas-Mitglieder.

Die radikalen Palästinensergruppen Hamas und Islamischer Dschihad verkündeten am Samstagabend eine Waffenruhe. In der Nacht zum Sonntag feuerten militante Palästinenser dennoch vier Geschosse auf israelisches Gebiet. Seit den frühen Morgenstunden gab es jedoch keine Angriffe mehr, wie ein Armeesprecher bestätigte.

Netanjahu sagte am Sonntag, man habe die Hamas am Vortag «erheblich und hart getroffen». Israels Politik sei klar. «Wer uns angreift, den attackieren wir mit großer Härte.» Er hoffe, dass die Hamas diese Botschaft verstanden habe.

In der israelischen Grenzstadt Sderot wurden nach Medienberichten am Samstag ein Haus und eine Synagoge getroffen. Drei Menschen erlitten nach Armeeangaben Verletzungen. Am Sonntag wurden in Gaza nach Polizeiangaben ein militanter Palästinenser und sein 13-jähriger Sohn bei der versehentlichen Explosion eines Sprengsatzes getötet, den der Vater in seinem Haus baute.

Bei dem israelischen Luftangriff auf ein Hamas-Gebäude im Westen der Stadt Gaza wurden am Samstag ein 15-Jähriger und ein 16-Jähriger getötet. Sie seien von Granatsplittern tödlich verletzt worden, hieß es. Augenzeugen zufolge hielten sie sich in der Nähe des Gebäudes auf. Nach Angaben der israelischen Armee nutzte die Hamas das Hochhaus und einen Tunnel darunter zum Training für den Häuserkampf. Bewohner seien vor dem Angriff gewarnt worden.

Hamas-Sprecher Fausi Barhum sagte, man wolle mit den Angriffen auf Israel eine «klare Botschaft senden» und «den Feind dazu zwingen, die Eskalation zu stoppen».

Israel hatte bereits in der Nacht zum Samstag Hamas-Ziele angegriffen, darunter zwei Angriffstunnel. Tagsüber sei das Hauptquartier eines Hamas-Bataillons in Beit Lahia im Norden des Gazastreifens komplett zerstört worden, ebenso wie ein logistisches Zentrum mit Helium-Vorräten, sagte Armeesprecher Jonathan Conricus. Er sprach von «Vergeltung der israelischen Armee gegen die Hamas», weil diese seit Monaten Angriffe auf Israel verübe.

Die Palästinenser fordern ein Ende der vor mehr als zehn Jahren verhängten Gaza-Blockade und ein Rückkehrrecht in das israelische Staatsgebiet. Sie beziehen sich dabei auf Flucht und Vertreibung Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948.

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