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Cyberangriff auf TV5 Monde : Hackende Islamisten, verdutzte Medien und das Passwort an der Wand

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Islamisten kapern den weltweit ausgestrahlten französischen Fernsehsender TV5 Monde. Das selbsternannte Cyberkalifat bekennt sich zum IS.

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2015 | 11:20 Uhr

Paris | Die Internetseite des französischen Fernsehsenders TV5 Monde war nach dem Hackerangriff im Namen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) noch bis zum Freitagmorgen nicht erreichbar. Das Fernsehprogramm wurde wieder ausgestrahlt. Am Donnerstag hatten Internetnutzer Inhalte der Seite zwischenzeitlich abrufen können. Hacker legten TV5 Monde in der Nacht zuvor lahm: Die Fernsehprogramme des Senders waren stundenlang unterbrochen, auf der Webseite und den Social-Media-Konten war IS-Propaganda zu sehen.

TV5 Monde ist ein international ausgerichteter Fernsehsender, der zum Großteil vom französischen Staat finanziert wird. Frankreich steht im Visier der Islamisten: Das Land bekämpft IS-Truppen mit Luftangriffen im Nord-Irak.

Im Bekennerschreiben des selbsternannten „Cyberkalifats“ wird Frankreichs Premier Francois Hollande direkt angesprochen. Er habe einen Fehler gemacht, indem er den USA im „Krieg gegen unsere Brüder“ helfe. Die Verfasser des Textes bekunden ihre Sympathien zu den Anschlägen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und einen koscheren Supermarkt in Paris.

Bei dem Sender fragt man sich, warum man Ziel des Angriffs wurde und sucht eine mögliche Begründung in einer neuen Sendung, die im orientalischen Raum ausgestrahlt wird und die den französischen Lebensstil thematisiert, „den die Dschihadisten nicht wirklich in ihren Herzen tragen“. TV5 Monde ist im Herzen getroffen worden, heißt es in einer Reaktion des Fernsehsenders. Auch FAZ-Politikredakteur Rainer Herman mutmaßt: „Indem der Islamische Staat den Fernsehsender ausgesucht hat, zeigt er, wovor er sich fürchtet: Vor der Anziehungskraft der freien Welt.“

Ce mercredi, notre chaîne, nos sites, antennes et réseaux sociaux ont été "hackés par un groupe islamiste". Les sites...

Posted by TV5MONDE on Mittwoch, 8. April 2015

Die Attacke sei „beispiellos in der Fernsehgeschichte“, sagte Yves Bigot, Generaldirektor von TV5 Monde. Offensichtlich war die Aktion gut vorbereitet: „Alles ist sehr synchronisiert abgelaufen“, sagte die Digital-Chefin des Senders, Hélène Zemmour. Der Sender habe eine sehr starke Firewall zur Abwehr vor unerlaubten Zugriffen.

Nach der Attacke auf die IT-Systeme sieht Innenminister Bernard Cazeneuve zahlreiche Hinweise auf einen terroristischen Akt. Es sei nicht auszuschließen, dass ähnliche Angriffe wieder passieren könnten oder bereits geplant seien, sagte Cazeneuve.

Die französische Regierung will die Sicherheitsvorkehrungen der Medien auf den Prüfstand stellen. Die für Medien zuständige Ministerin Fleur Pellerin kündigte für die kommenden Wochen Fachgespräche mit den für IT-Sicherheit zuständigen Medienvertretern an. Dabei soll auch die für Sicherheit von Informationssystemen zuständige nationale Behörde ANSSI eingeschaltet werden.

Im Namen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatten Hacker die IT-Systeme des Senders TV5 Monde gekapert und die Ausstrahlung der Fernsehprogramme stundenlang blockiert. Bei der massiven Cyberattacke platzierten sie Propaganda der Terrorgruppe auf den Webseiten und Social-Media-Konten des Senders. Eine Gruppe namens „Cyber-Kalifat“ bekannte sich im Internet zu dem Angriff. Ob tatsächlich der IS dahinter steckt oder Sympathisanten im Alleingang zur Tat schritten, ist noch unklar.

Unterdessen sorgt ein Fernseh-Interview mit einem TV5-Journalisten zu dem Zwischenfall für Kopfschütteln: Im Hintergrund waren Zettel zu sehen, auf denen die Passwörter für Youtube, Twitter und Instagram standen. Das Passwort für Youtube lautete originellerweise: „lemotdepassedeyoutube“.  Ein Twitterer: „Wie die Hacker TV5 Monde gekapert haben? Indem sie an die Redaktionswand geschaut haben...“

(mit dpa)

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