Habermas‘ Weckruf

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26. Juni 2015, 15:20 Uhr

Jürgen Habermas gehört nicht zu den Philosophen, die ihre Meinung ständig zum Fenster hinausposaunen. Weil er weiß, dass demjenigen zugehört wird, der sich rar macht. Nach langem Schweigen hat sich der heimliche Doyen des deutschen Geistes zum Thema Griechenland zu Wort gemeldet. Mit einer Überraschung. Während Statements sogenannter „Experten“ hoch und runter zitiert werden, blieb Habermas‘ Weckruf ungehört. Dabei hätte seine Kritik ein Echo laut wie Donnerhall verdient. Räumt man das bei Philosophen übliche Wortgeröll beiseite, kommen klare Aussagen ans Licht. Etwa die Forderung nach einem Schuldenschnitt. Mit der Begründung, dass beim Londoner Abkommen von 1953 die internationalen Gläubiger den Deutschen die Hälfte ihrer Schulden erließen und damit das Wirtschaftswunder ermöglichten. Mit „Zombies“ vergleicht Habermas die politische Klasse, „Hartleibigkeit“ bescheinigt er der Kanzlerin, und den Journalisten wirft er vor, „Arm in Arm“ mit den Politikern für das „Wohlbefinden der Kunden“ zu sorgen. In der „Süddeutschen“, wo der Text erschienen ist, landete er folgerichtig im Feuilleton.

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