Güllegipfel beschließt Notfallplan – Bauern dürfen offene Erdlager bauen

Kay Müller von
06. Dezember 2017, 10:10 Uhr

Nach zwei Stunden Krisengipfel stand die Entscheidung fest: „Bauern dürfen auf Antrag per Notfallgenehmigung provisorische Güllelager errichten“, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nach dem „Güllegipfel“ mit Bauernverband, Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM), Lohnunternehmern, Maschinenringen, Wasserbehörden, Landwirtschaftskammer und anderen Akteuren in Flintbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde). „Dabei sind strenge Auflagen einzuhalten. Es muss sichergestellt sein, dass Grundwasser und Oberflächengewässer geschützt sind, unter anderem über Spezialfolien.“ Pläne müssten mit Wasserbehörden abgestimmt werden. Dazu müssen die Landwirte die provisorischen Erdlager innerhalb von sechs Monaten wieder zurückbauen, so Habeck. Wer eine Genehmigung erhält, müsse dazu im Laufe des Jahres nachweisen, dass seine Kapazitäten nächsten Winter ausreichen.

Wegen anhaltender Niederschläge in den letzten Monaten werden die Bauern ihre Gülle kaum noch los. Weil Äcker und Grünland seit Mitte Oktober nicht oder kaum befahrbar sind, konnten Gülle und Gärrückstände aus Biogasanlagen vor den Sperrzeiten nicht ausgebracht werden. Die Lagerkapazitäten werden knapp. „Wir haben eine besondere Ausnahmesituation, die die Landwirte belastet und zu akuter Gefahr für die Umwelt werden kann, wenn Güllebehälter überlaufen“, so Habeck. Das Land bekämpfe in diesem Winter nur die Folge, nicht die Ursache eines Grundproblems: „Die intensive Tierhaltung stößt vor allem auf dem Geestrücken an Grenzen. Wir haben dort zu viel Gülle und Gärrückstände auf zu wenig Fläche. Wir brauchen dringend eine Strategie, die Landwirten gutes Einkommen sichert, ohne auf immer mehr Tiere und immer mehr Leistung zu setzen.“

Klaus-Peter Lucht, stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbandes, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis des Güllegipfels. „Das ist für uns schnell und mit nicht zu hohen Kosten umzusetzen.“ Das sieht auch Rolf Trede vom BDM so: Die Herausforderung sei jetzt, Plätze für die Lager zu finden. Größere Geruchsbelastungen für die Bevölkerung seien nicht zu erwarten. Lucht: „Und wir können die Gülle behalten, denn sie ist ein wertvoller Dünger für uns.“

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