Grummeln ohne Grund

cr_print_2909

Tomaten auf die Kanzlerin sind auch keine Lösung

shz.de von
11. September 2017, 09:44 Uhr

Es hat sich etwas zusammengebraut in Deutschland, das kaum erklärbar, kaum zu rechtfertigen und damit eigentlich unvernünftig ist. Denn alle objektiven Fakten zeigen exzellente Werte, volkswirtschaftlich wie sogar demografisch. Die Kassen des Staates wie auch die der Sozialversicherungen sind voll, es können Wohltaten verteilt werden. Ernsthafte Probleme haben die Deutschen nicht, schon gar nicht, wenn man die Lage mit Nachbarländern vergleicht.

Aber es gibt eine Wut auf die da oben. Auf Automanager, die sich die Taschen füllen. Auf Politiker, die trotz üppiger Pensionen sich zweifelhaften Arbeitgebern als Aufsichtsräte verdingen. Und auf die Kanzlerin, die weg muss, weil sie uns die Suppe mit den Migranten eingebrockt habe.

Nun ist es kein Zeichen demokratischer Mündigkeit, zu brüllen, zu pfeifen und mit Tomaten zu werfen. All dies sind keine Argumente. Und es geschieht übrigens zuvörderst im Osten der Republik, ebenfalls ein erstaunliches Faktum.

Undankbarkeit? Viele Gründe sprechen dafür, dass ein Wechsel im Politikstil Deutschland gut täte. Der Herausforderer wird ja nicht müde, sich als Alternative anzubieten. Allein: Eine wirklich andere Politik hat er nicht anzubieten, da es ja so gut läuft, besser als jemals zuvor. Daher kann aus dem Grummeln nur Protest, aber keine neue Politik erwachsen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen