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Grüne wollen ihre Eigenständigkeit stärken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Er ist nach der Wahlschlappe als Fraktionschef zurückgetreten – doch gestern Abend reißt Jürgen Trittin die Delegierten des Grünen-Parteitags in Berlin noch mal zu stehendem Beifall hin. In einer engagierten Rede räumt der Ex-Spitzenkandidat eigene Versäumnisse ein: „Ja, ich habe Fehler gemacht!“, ruft Trittin. „Wir haben die Veränderungsbereitschaft der Gesellschaft überschätzt!“ Dabei sei das Wahlprogramm der Grünen nicht mal so links gewesen wie vor vier Jahren – nur genauer.

Sein innerparteilicher Rivale und baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht das anders. „Wir sind zu staatsgläubig geworden!“, kritisiert er und fordert, dass die Grünen „die Wirtschaft als Partner gewinnen“ müssten. Und er lobt Kanzlerin Angela Merkel überraschend kräftig für den Atomausstieg: „Diese Frau hat ihre Partei wuchtig in die Mitte getrieben“, sagt er. „Welcher andere konservative Regierungschef in Europa hat diese Konsequenz aus Fukushima gezogen?“ Da hört man Trauer durch über das Scheitern der schwarz-grünen Sondierung.

Zuvor hat schon Grünen-Chef Cem Özdemir die Delegierten zu einem Kurs der stärkeren Eigenständigkeit aufgefordert. „Früher hieß es bei uns einmal: Wir sind nicht links, wir sind nicht rechts, wir sind vorne. Da müssen wir wieder hin!“, ruft Özdemir. Damit meine er allerdings nicht nur eine Öffnung für ein schwarz-grünes Bündnis: „Eigenständigkeit kann genauso auch Rot-grün-rot bedeuten“, sagt Özdemir. Heute will der Parteitag ausführlich über neue Koalitionsoptionen debattieren.

Auch Özdemir räumt ein, dass das Abschneiden bei der Bundestagswahl mit 8,4 Prozent enttäuschend war. Über seine eigene Schuld daran verliert der Parteichef kaum ein Wort, was manch Delegierten stört. „Was mir gefehlt hat, war die Selbstkritik“, sagt etwa Schleswig-Holsteins Landesvorsitzende Ruth Kastner am Rande des Parteitags. Sie habe sich gewünscht, dass Özdemir sich heute bei der Wiederwahl zum Parteichef einem „ernsthaften Wettstreit“ hätte stellen müssen. Nun tritt bei nur der chancenlose Essener Außenseiter Thomas Austermann gegen Özdemir an. Die andere Bewerberin für die Doppelspitze, die zum linken Flügel zählende Saarländerin Simone Peter, hat gar keinen Gegenkandidaten.

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