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„Wahlarena“ : Grüne und IG Metall werfen Merkel Unkenntnis über Leiharbeit vor

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Die Kanzlerin war empört über das, was ihr ein Leiharbeiter da schilderte. Grüne und Gewerkschafter meinen dagegen: Als Regierungschefin müsste sie wissen, dass Leiharbeiter in Deutschland als günstige Arbeitskräfte missbraucht würden.

shz.de von
erstellt am 10.Sep.2013 | 15:16 Uhr

Die Grünen und die IG Metall haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Ahnungslosigkeit beim Thema Leiharbeit vorgeworfen. Wenn Merkel nicht wisse, dass Betriebe oft viele Jahre Leiharbeiter einsetzten, sei sie von der Wirklichkeit abgekoppelt, erklärte Grünen- Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt am Dienstag in Berlin. IG- Metall-Vize Detlef Wetzel sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die Unkenntnis von Frau Merkel über die betriebliche Realität ist erschreckend.“ 

In der ARD-Sendung „Wahlarena“ am Montagabend hatte ein Leiharbeiter geschildert, dass er seit zehn Jahren für die selbe Firma in Leiharbeit beschäftigt sei. Merkel hatte dazu gesagt: „Ich halte das für einen sehr krassen Fall. (...) Wenn es mehrere Fälle über zehn Jahre gibt, bin ich bereit, mir das anzuschauen. Das kann nicht sein.“ Leiharbeit sei nicht für einen so langen Zeitraum gedacht. Sie kritisierte, dass die Wirtschaft immer wieder Ausweichmanöver suche.

Göring-Eckardt sagte, der geschilderte Fall sei keine Ausnahme, sondern die Regel in Deutschland. Die Leiharbeit habe mit 908.000 Beschäftigten im Juni 2012 auf Rekordniveau gelegen. „Viel zu oft dient Leiharbeit nicht mehr nur zur Abfederung von Auftragsspitzen, sondern als günstige Daueralternative zu Stammbelegschaften.“ Die Grünen wollen, dass Leiharbeiter vom ersten Tag ihrer Beschäftigung an den gleichen Lohn, gleiche Rechte und gleiche Entlohnung wie die Stammbelegschaft bekommen.

Wetzel sagte: „Die Bundeskanzlerin hatte vier Jahre Zeit gehabt, den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern auch etwas dagegen zu tun.“ Die IG Metall fordere seit Jahren die Begrenzung der Verleihdauer.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will im Fall eines Wahlsiegs als Regierungschef Leiharbeit und Werkverträge einschränken. „Es wird Zeit, diesem Missbrauch entgegenzutreten“, hatte er am Montag gesagt.

Im Juli hatte das Bundesarbeitsgericht geurteilt, Betriebsräte könnten ihre Zustimmung zum Einsatz von Leiharbeitern verweigern, wenn dieser auf Dauer angelegt sei.

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