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Politik

21. Oktober 2017 | 21:40 Uhr

Größenwahn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Deutsche Fußball-Bund lässt für die Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft ein eigenes Nobelhotel in Brasilien bauen

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2013 | 00:35 Uhr

Ein Trainingslager der Nationalelf in Sportschulen wird es nicht mehr geben. Zu wenig Komfort. Die Zeiten von 1974, als die Truppe von Bundestrainer Helmut Schön mit dem Geist von Malente Weltmeister wurde, sind schon lange vorbei. Nur das Beste zählt für den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Der reichste Sportverband Deutschlands streichelt seine Profis über Gebühr und jedweder Vernunft. Sollte es in Brasilien endlich mit dem WM-Titel klappen, erhält jeder der im Kader stehenden Akteure 300 000 Euro. Angeblich brutto.

Weil der DFB nur allzu gern diese Ausschüttung vornehmen würde, avancieren viele, viele Millionen im wahrsten Sinne zu Spielgeld. Am WM-Etat wird es nicht gelegen haben, sollte Jogi Löws Truppe – wie bislang üblich – an Nationen wie Spanien oder Italien scheitern. Oder auch an Gastgeber Brasilien, dessen Hotelanlagen den Deutschen für den rund vierwöchigen Aufenthalt nicht gefallen. Weil auch der nächste Flughafen zu weit weg ist, schon eine Stunde Busfahrt ist den Herren zu viel. Zudem muss ein Hubschrauberlandeplatz her.

Die Liste der Extrawünsche ließe sich fortsetzen. Was anderen Nationalteams gut ist, reicht den Ansprüchen der deutschen Elitekicker und denen der Funktionäre noch lange nicht. Und so lässt der DFB – offenbar mit Unterstützung seiner Sponsoren Mercedes, Volkswagen, Audi, Allianz und Bitburger – ein eigenes Sechs-Sterne-Hotel mit einem individuellen Trainingsgelände bauen. Mitten in der teuersten brasilianischen Urlaubsregion. Würde es den nur 20 Kilometer entfernten Flughafen nicht geben, man würde einen bauen.

Irgendetwas stimmt im deutschen Fußball nicht mehr. Die Amateurvereine klagen über stetig steigende Abgaben an den Verband, in der Regionalliga und in der dritten Liga stehen mehrere Clubs vor der Insolvenz. Hat ein kleiner Verein einen Bundesligisten zu Gast, muss er eine hohe Zwangsabgabe an den Verband zahlen. Für nichts. Ohne Gegenleistung. An der Basis rumort es.

Größenwahn spielte im Vereinsfußball schon häufig eine unangenehme Rolle. Jetzt hat es den DFB erwischt. Für einen WM-Titel ist eben nichts zu teuer.

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