Verhandlungen in Brüssel : Griechenland-Krise: Die Zeit wird knapp

Droht der Grexit? Die griechische Regierung und Gläubiger Athens verhandeln am Sonntag weiter.

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14. Juni 2015, 12:58 Uhr

Brüssel | Vertreter der griechischen Regierung und die Gläubiger Athens kommen am Sonntag erneut zu Gesprächen in Brüssel zusammen. Ob es beiden Seiten gelingen würde, ihre Differenzen zu überbrücken, bleibe gleichwohl ungewiss, hieß es aus Verhandlungskreisen.

Für Griechenland wird die Zeit knapp, will es mit EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) noch bis zum 30. Juni eine Einigung über die Auszahlung von Hilfsgeldern in Höhe von 7,2 Milliarden Euro erzielen. Andernfalls droht Athen die Staatspleite.

Am Samstag waren in Brüssel Nikos Pappas, der engste Mitarbeiter des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras, ein Vertreter von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sowie Repräsentanten von EZB, IWF und EU zusammen gekommen, erfuhr die dpa. Ziel sei es demnach, einen Kompromiss vor dem Öffnen der Börsen am Montag zu erzielen. Allerdings hätten die Positionen in der Nacht noch weit auseinandergelegen, verlautete aus Diplomatenkreisen.

Am Samstag hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vor verheerenden Folgen eines griechischen Austritts aus der Euro-Währungsunion gewarnt. Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis sagte, er rechne nicht damit, dass die europäischen Regierungen sein Land aus der Euro-Zone drängen werden.

Die Europäische Kommission dringt auf schnelle Fortschritte in den laufenden Verhandlungen über weitere Kredite für Griechenland. „Die Zeit ist nicht auf unserer Seite“, sagte der für Wirtschaft und Währung zuständige EU-Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis der „Welt“. „Wir brauchen ein Abkommen in den kommenden Tagen.“ Seit Monaten verhandeln Europäische Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds mit der griechischen Regierung über die Auszahlung neuer Milliardenkredite, die das Land vor dem Staatsbankrott bewahren sollen. Am 30. Juni läuft das aktuelle Hilfsprogramm aus.

Eine zügige Einigung sei im besten Interesse Griechenlands, sagte Dombrovskis. Die anhaltende Diskussion über einen möglichen Staatsbankrott habe die griechische Wirtschaft geschädigt. „Die Kosten der Unsicherheit für das griechische Volk in den vergangenen Monaten waren substanziell.“ So seien etwa die Arbeitslosenzahlen zuletzt gestiegen. Dombrovskis sieht die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras in der Verantwortung, wieder Stabilität zu garantieren.

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