Nach Angriff der Hisbollah : Grenze zum Libanon: UN-Generalsekretär Ban mahnt Zurückhaltung an

Drei Menschen sterben an einer der ältesten Frontlinien der Welt. Einer von ihnen ist ein Spanier, der unter der Fahne der UN Frieden bringen sollte.

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29. Januar 2015, 11:40 Uhr

New York/Tel Aviv/Beirut | Nach den Zwischenfällen an der Grenze zwischen Israel und Libanon hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon alle Seiten zu größter Zurückhaltung aufgerufen. „Alle Parteien sollten von jeder Handlung Abstand nehmen, die die Stabilität in der Region untergraben könnte“, sagte Ban am Mittwoch (Ortszeit) in New York. Jeder solle verantwortungsvoll handeln und jede Eskalation in der ohnehin gespannten Situation vermeiden. Er sei tief besorgt über die Verletzungen der Waffenstillstandsabkommen.

Die libanesische Hisbollah-Miliz hatte bei einem Angriff auf ein israelisches Fahrzeug zwei Soldaten getötet. Vermutlich bei einem israelischen Artillerie-Gegenschlag kam wenig später ein spanischer UN-Blauhelm-Soldat ums Leben. Der Gefreite gehörte zur United Nations Interim Force in Lebanon (Unifil), die trotz ihres Namens seit 37 Jahren an der Grenze steht. Der israelische Rundfunk sprach nach den Vorfällen von den schlimmsten Gefechten seit knapp zehn Jahren.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kritisierte den Tod des Blauhelmsoldaten, eine Schuldzuweisung vermied er aber. Der Rat verurteile den Angriff auf das Schärfste, sagte Chiles UN-Botschafter Cristian Barros Melet, der in diesem Monat Präsident des mächtigsten UN-Gremiums ist, nach einer Dringlichkeitssitzung in New York. Einen Verantwortlichen nannte er nicht. Spaniens UN-Botschafter Roman Oyarzun Marchesi sagte, der Beschuss sei „von der Seite Israels“ gekommen.

Die USA betonten nach dem Hisbollah-Angriff „Israels legitimes Recht auf Selbstverteidigung“. Zugleich verurteilte das Außenamt in Washington den Beschuss, bei dem zwei israelische Soldaten starben. Sprecherin Jen Psaki rief alle Konfliktparteien zu Besonnenheit auf.

Nach dem Angriff ist es am Tag danach an der israelisch-libanesischen Grenze ruhig. Israels Führung tendiere dazu, vorerst keine weiteren Angriffe auf den Libanon zu unternehmen, berichtete der israelische Rundfunk am Donnerstag. Auch die libanesische Seite will offenbar vorerst die Waffen ruhen lassen. Israelische Medien berichteten, die Hisbollah habe Israel über einen Kommandeur der UN-Friedenstruppe mitteilen lassen, dass sie kein Interesse an eine Verschärfung der Lage habe. Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon bestätigte im israelischen Rundfunk, dass man eine solche Nachricht erhalten habe. Trotz der Beteuerungen sind beide Seiten in erhöhter Wachsamkeit.

Libanesischen Sicherheitskreisen zufolge haben sowohl die UN-Schutztruppen als auch die libanesische Armee ihr Aufgebot in der Grenzregion verstärkt. Eine Sprecherin der israelischen Armee sagte, die Alarmstufe und das Truppenaufgebot seien seit dem Angriff am Mittwoch unverändert.

Dem israelischen Rundfunk zufolge macht Israel den Iran für den Angriff verantwortlich. „Seit einiger Zeit hat der Iran - über die Hisbollah - versucht, eine zusätzliche terroristische Front von den Golanhöhen gegen uns zu eröffnen“, sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Mittwochabend. Wer immer hinter dem Angriff auf den Konvoi stecke, werde den vollen Preis dafür zahlen.

Israels Streitkräfte sind seit einem Luftangriff am 18. Januar, auf der syrischen Seite der nördlichen Golanhöhen, in erhöhter Alarmbereitschaft. Bei dem Angriff, der Israel zugeschrieben wird, waren ein iranischer General und mindestens sechs Hisbollah-Kämpfer getötet worden. Der Iran drohte Israel mit „verheerenden Blitzschlägen“. Auch die Hisbollah kündigte anschließend Vergeltung an.

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