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Überseegebiet macht den Brexit : Glücksspielanbieter im Pech: EuGH winkt Gibraltar aus der Europäischen Union

vom
Aus der Onlineredaktion

Schlecht für die dortigen Unternehmen: Das britische Überseegebiet Gibraltar wird keinen Sonderstatus nach dem Brexit erhalten.

shz.de von
erstellt am 13.Jun.2017 | 14:12 Uhr

Luxemburg | Kurz vor dem Beginn der Brexit-Verhandlungen hat der Europäische Gerichtshof die Autorität Großbritanniens in dessen Überseegebiet Gibraltar gestärkt. Die Luxemburger Richter urteilten am Dienstag, dass der dicht besiedelte Felsen an der Südspitze der Iberischen Halbinsel und das Vereinigte Königreich hinsichtlich des Dienstleistungsrechts in der EU als eine Einheit zu betrachten sind. Dies ergebe sich unter anderem aus der im Unionsrecht anerkannten Bande zwischen dem Königreich und dem rund 6,5 Quadratkilometer großen Territorium, hieß es zur Begründung.

Der Gerichtshof betonte, dass mit seinem Urteil nicht der gesonderte und unterschiedliche Status von Gibraltar angetastet werde. Bei einem Referendum im Jahr 2002 hatten 99 Prozent der stimmberechtigten Bewohner Gibraltars für einen Verbleib bei Großbritannien gestimmt.

Verlierer in dem Verfahren sind in Gibraltar ansässige Glücksspielanbieter. Sie wollten durch eine Klage verhindern, dass sie auf Geschäfte mit Spielern aus Großbritannien eine Abgabe entrichten müssen. Die Steuerregelung verstoße gegen den Grundsatz der Dienstleistungsfreiheit in der EU, lautete ihre Argumentation.

Um überhaupt Aussicht auf Erfolg haben zu können, hätte der Europäische Gerichtshof allerdings in einem ersten Schritt entscheiden müssen, dass der Dienstleistungsverkehr zwischen Gibraltar und dem Vereinigten Königreich als Handel zwischen zwei Mitgliedstaaten zu behandeln ist.

Das Urteil war auch wegen des geplanten EU-Austritts Großbritanniens mit Spannung erwartet worden. Über ihn soll es in der kommenden Woche erstmals offizielle Gespräche geben. Gibraltar ist seit Anfang des 18. Jahrhunderts britisches Überseegebiet, verwaltet sich allerdings in den meisten Politikbereichen selbst.

Beim Brexit-Referendum im Juni 2016 votierten etwa 96 Prozent gegen die Trennung von der EU. Das „Klein-Britannien“ am Eingang des Mittelmeeres ist stark vom Zugang zur EU abhängig. Die Tourismusbranche befürchtet zum Beispiel, dass Spanien bei einem Brexit das Passieren der Grenze erschweren könnte.

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