Sergej Skripal : Gift-Anschlag auf Ex-Spion: Moskau lehnt Londons Ultimatum ab

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Theresa May will Details zu dem Nervengift-Anschlag wissen. Doch was passiert, wenn Moskau die Frist ignoriert?

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13. März 2018, 18:51 Uhr

London/Moskau | Der Streit zwischen Moskau und London spitzt sich zu: Russland hat das britische Ultimatum nach dem Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal zurückgewiesen und London vor Konsequenzen gewarnt. „Jegliche Drohungen, Russland mit Strafmaßnahmen zu belegen, werden nicht unbeantwortet bleiben“, teilte das Außenministerium am Dienstag in Moskau mit.

Der Ex-Spion Skripal (66) und seine Tochter Yulia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich weiterhin in einem kritischen Zustand. Insgesamt mussten 21 Menschen im Krankenhaus behandelt werden, darunter ist auch ein Polizist. Bei dem Attentat war das in der früheren Sowjetunion produzierte, extrem gefährliche Nervengift Nowitschok verwendet worden.

Moskau verlangte Zugang zu den verdächtigen Proben. Außerdem müsse London eine gemeinsame Untersuchung zulassen. „Ansonsten sind alle Aussagen Londons sinnlos“, so das Außenministerium. Russland hat nach eigener Darstellung alle seine Chemiewaffen zwischen 2002 und 2017 vernichtet. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen habe dies bezeugt, teilte das Industrieministerium in Moskau mit.

Ultimatum läuft aus

Premierministerin Theresa May hatte daher am Montagabend erklärt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach Russland hinter dem Anschlag stecke. Moskau sollte sich binnen 24 Stunden gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) erklären. Ansonsten drohten Konsequenzen, die May aber nicht näher ausführte. Das Ultimatum läuft am Mittwochmorgen um 1 Uhr MEZ ab.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte in Moskau: „Russland ist nicht schuldig.“ Er forderte einen kompletten Zugang zu den Ermittlungen und zu den Proben, um eine eigene Analyse der verdächtigen Substanz vorzunehmen. Moskau habe bereits eine offizielle Anfrage dazu gestellt. Russland sei bereit, mit Großbritannien auf der OPCW-Ebene zusammenzuarbeiten, sagte Lawrow.

Frankreich, Deutschland und EU solidarisch mit Großbritannien

Rückendeckung erhielt Großbritannien aus Frankreich, den USA und von der Nato. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg nannte den Einsatz von jeglichem Nervengift „vollkommen inakzeptabel“. May sprach mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron über „das breite Muster aggressiven russischen Verhaltens“, auf das laut Downing Street gemeinsam mit den Verbündeten geantwortet werden soll. Der scheidende Außenminister Sigmar Gabriel teilte mit: „Sollte sich bestätigen, dass Russland dahinter steht, wäre das ein sehr ernster Vorgang.“ Auch die EU-Kommission Großbritannien sagte Solidarität zu.

Mays Ansicht nach gibt es nur zwei mögliche Erklärungen für das Attentat: Entweder habe Moskau den Anschlag direkt ausgeführt oder die russische Regierung habe die Kontrolle über das Nervengift verloren und es sei in andere Hände gelangt. Der russische Botschafter in London wurde in das Außenministerium einbestellt. Die Nowitschok-Serie zählt zu den gefährlichsten Nervengiften überhaupt und kommt in etwa 100 Varianten vor. Es ist nur schwer nachzuweisen.

Russland fürchtet Beeinflussung von Präsidentenwahl und Fußball-WM

Ein „absolutes Hirngespinst“ nannte Leonid Sluzki, Vorsitzender des Duma-Komitees für internationale Angelegenheiten, die Vorwürfe aus Großbritannien. Möglicherweise wolle London die Präsidentenwahl beeinflussen. Für den Ex-Chef des russischen Geheimdienstes FSB, Sergej Stepaschin, könnte die Fußball-WM im Sommer in Russland ein Grund für die Vorwürfe sein. „Die Briten hassen uns einfach für die Tatsache, dass die Meisterschaft in unserem Land stattfindet.“

Unklar ist, welche Sanktionen Großbritannien plant. May hat damit gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fußball-Weltmeisterschaft zu schicken. Britische Medien wie die „Times“ halten eine Cyberattacke auf den Kreml für möglich. Eine andere Maßnahme könnte die Ausweisung von Diplomaten sein. Auch finanzielle Maßnahmen gegen Oligarchen, die Immobilien in London besitzen, seien denkbar.

Skripal soll den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 über russische Agenten in Europa informiert haben. 2004 flog der ehemalige Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU auf und wurde festgenommen. Er wurde zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Rahmen eines Gefangenenaustauschs kam er 2010 nach Großbritannien.

Der Fall erinnert an den Mord an dem Ex-Agenten und Kremlkritiker Alexander Litwinenko, der 2006 in London mit radioaktivem Polonium vergiftet wurde. Die Spuren der Täter führten auch nach Moskau.

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