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Streit um Berg-Karabach : Gewalt zwischen Armenien und Aserbaidschan eskaliert im Südkaukasus

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Der blutige Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan flammt wieder auf - es gab mehr als 20 Tote. Die beiden Ex-Sowjetrepubliken streiten seit Jahrzehnten um das Gebiet Berg-Karabach.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2016 | 14:57 Uhr

Eriwan/Baku | Die Südkaukasusrepubliken Aserbaidschan und Armenien haben sich gegenseitig die Schuld an einer militärischen Eskalation mit mehr als 20 Toten im Gebiet Berg-Karabach gegeben. Bei schweren Gefechten in der Nacht zum Samstag habe es mehrere Tote gegeben, teilten beide Seiten mit. Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium berichtete von zwölf Getöteten in den eigenen Reihen. Auf armenischer Seite kamen nach vorläufigen Angaben mehr als zehn Militärangehörige ums Leben, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Behördenkreisen in der Hauptstadt Eriwan erfuhr. Beide Seiten schätzten die Verluste des Gegners weitaus höher ein.

Der Konflikt zwischen den Ländern und Religionen hört einfach nicht auf. Eine Autonomie von Berg-Karabach war bislang allerdings auch kein Lösungsansatz. Zusammen mit Abchasien, Südossetien und Transnistrien bildet die Republik Berg-Karabach die Gemeinschaft nicht-anerkannter Staaten.

Das überwiegend von christlichen Armeniern bewohnte Gebiet Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum muslimisch geprägten Aserbaidschan, hat sich aber Anfang der 1990er Jahre in einem Krieg mit fast 30.000 Toten von Baku losgesagt. Eine seit 1994 geltende Waffenruhe ist extrem brüchig. Die Führung in Baku hat mehrfach gedroht, das abtrünnige Gebiet zurückzuerobern.

Aserbaidschanische Truppen hätten eine Offensive mit Panzern und Artillerie gestartet, sagte ein Sprecher des armenischen Verteidigungsministeriums in der Hauptstadt Eriwan. Die armenischen Streitkräfte hätten dabei einen aserbaidschanischen Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 abgeschossen, hieß es. Auch zwei Panzer und zwei Drohnen seien zerstört worden.

Aserbaidschan wies die Vorwürfe zurück. Die Streitkräfte hätten auf massive Angriffe von armenischer Seite reagiert, teilte das Verteidigungsministerium mit. Auch Wohngebiete seien beschossen worden. Baku dementierte den Verlust eines Militärhubschraubers.

Nach Darstellung beider Seiten dauerten die Kämpfe am Samstagnachmittag an. Der armenische Präsident Sersch Sargsjan wollte sich am Abend mit seinem nationalen Sicherheitsrat treffen. Die Behörden in Berg-Karabach berichteten von zwei getöteten Kindern.

Erstmals seit Beginn des Waffenstillstands habe Aserbaidschan eine derart umfassende Offensive gestartet, an der auch die Luftwaffe beteiligt war, hieß es aus der Gebietshauptstadt Stepanakert.

Der russische Präsident Wladimir Putin mahnte Armenien und Aserbaidschan zur Zurückhaltung. Putin sei zutiefst besorgt angesichts der Gewalteskalation zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Russland sieht sich als Schutzmacht Armeniens und hat Tausende Soldaten in dem Land mit rund drei Millionen Einwohnern stationiert. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu sowie Chefdiplomat Sergej Lawrow führten mit ihren Amtskollegen in den Hauptstätten Eriwan und Baku Krisentelefonate. Schoigu forderte beide auf, die Lage rasch zu stabilisieren.

Armenien rief die internationale Gemeinschaft zur Hilfe auf. Die Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) vermittelt in dem Konflikt. Zu ihr gehören unter anderem Russland, die USA, Deutschland, Frankreich und die Türkei.

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