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Gesundheitssystem der USA : Gesetzentwurf zu Trump-Care: Frauen werden nur unter „Abtreibung“ erwähnt

vom
Aus der Onlineredaktion

Wenn heute beschlossen, hätte die kommende Gesundheitsversorgung in den USA ein paar Barthaare zu viel.

Washington | Ein Gesundheitssystem für die USA ist eine schwere Geburt. Der US-Senat hat jetzt einen 142-seitigen Entwurf zur Nachfolge von Obamacare vorgelegt. 13 Abgeordnete haben ihn hinter verschlossenen Türen erarbeitet – dass es 13 Männer waren, lässt derzeit nicht nur Frauenrechtler sauer aufstoßen. Denn auch inhaltlich ist das Dokument von Senatsführer Mitch McConnell eine Männerdomäne. In dem 142 Seiten starken Textwerk (pdf) finden gesundheitsrelevante Frauenthemen wie Schwangerschaft keine Erwähnung – einzige Ausnahme bildet der Kontext Abtreibung und Wiedereintritt in die Arbeitswelt nach einer Geburt, berichtet „qz.com“. Beim Wort „women/women“ schlägt der Zähler ganze drei Mal aus (aber nie im Kontext der Frau), bei „Mother“ zwei Mal, bei „Abortion“ allerdings elf Mal.

US-Präsident Donald Trump hatte die Abschaffung von „Obamacare“ zu einer seiner zentralen Versprechen im Wahlkampf gemacht. Im Mai votierten die Republikaner mit hauchdünner Mehrheit für die teilweise Abwicklung der historischen, obligatorischen Krankenversicherung für alle Amerikaner. Der Senat stellte allerdings früh auf Widerstand.

In ihrer Fähigkeit zu gebären, stellen Frauen vor allem in den Lebensjahren 18 bis 40 ganz eigene Bedingungen an Gesundheitssysteme und Arbeitswelt – und sorgen deshalb für höhere Kosten. Doch auch „Pregnancy“ („Schwangerschaft“), die zentrale Frage der Gesundheitssicherung, kommt nicht als Themenpunkt in Frage. Die Ausnahme bildet eine Satz, der dem Staat mehr Kontrollen über die Medicaid-Ausgaben, ein Gesundheitsfürsorgeprogramm für Personenkreise mit geringem Einkommen, geben soll. Abtreibung wird bis auf wenige Ausnahmen (Lebensgefahr für die Frau) in der Kladde des Health Acts der Riegel vorgeschoben.

Der Entwurf steht somit auch in Bezug auf die Frau in krassem Gegensatz zu jenem des Trump-Vorgängers Barack Obama. Dieser hatte über den inzwischen abgeschaffte Affordable Heath Care Act, genannt „Obamacare“ die Gesundheitsrechte von Frauen deutlich herausgestellt, so gab es darin beispielsweise das Kapitel „Verbesserung der Gesundheit von Frauen“, ein ganzes Kommittee wurde einberufen. Frauen wurden überdies von einer bis dahin geltenden erhöhten Gebührenpflicht befreit. Letztendlich dienten vieler der Instrumente, darunter die verbesserte Brustkrebsvorsorge, auch dazu, die explodierenden Kosten abzusenken.

Im Senat zeigt sich, wie schwer es für Trump sein wird, die verhasste Jahrhundertreform Obamas zu zerlegen. Neben vielen gemäßigten stellen sich auch die republikanischen Senatorinnen Susan Collins, Lisa Murkowski und Shelley Moore Capito quer, weil sie sich um die negativen Konsequenzen für die Gesundheit von Frauen in dem Gesetz sorgen. Nach dem aktuellen Stand der Dinge bei der Ausarbeitung der Trump-Administration werden Frauen wieder mehr für ihre Krankenversicherung zahlen müssen. Überdies wird den US-Bundesstaaten die Möglichkeit gegeben, einkommensschwache Schwangere von der gekürzten Medicaid-Versicherung auszuklammern, das in allen Bundesstaaten auch ohne Krankenversicherung das Recht für post- und pränatale Untersuchungen einräumte.

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erstellt am 26.Jun.2017 | 12:53 Uhr

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