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Fragen und Antworten : Gesetzentwurf: Was Sie jetzt zu Fracking wissen müssen

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Aus der Onlineredaktion

Der Fracking-Gesetzentwurf der Bundesumweltministerin liegt vor. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema.

Was bedeutet Fracking?

Fracking (Hydraulic Fracturing, aus dem Englischen: to fracture = aufbrechen, aufreißen) ist ein Verfahren zur Gewinnung von Erdgas und Erdöl aus unkonventionellen Lagerstätten in 1000 bis 5000 Metern Tiefe. Dabei wird mit hohem Druck unter Einsatz von Wasser, Sand und Chemikalien das Gestein so aufgebrochen, dass Gas und Öl durch die Risse über Bohrrohre an die Oberfläche gelangen kann. Das Verfahren ist wirtschaftlich und politisch interessant geworden, um unabhängiger von Erdöl- und Erdgaslieferungen aus dem Ausland zu werden. In Deutschland wittert unter anderem der US-Konzern ExxonMobil ein lukratives Geschäft, nachdem das Unternehmen in den USA bereits Erfolge mit Gas-Fracking erzielt hat.

Warum ist Fracking so umstritten?

Die Auswirkungen der beim Fracking eingesetzten Chemikalien auf Natur und Umwelt, zum Beispiel auf das Grundwasser, sind nicht abzusehen. Umweltschützer befürchten eine Verunreinigung des Trinkwassers. Das Umweltbundesamt (UBA) sieht darüber hinaus Probleme bei der Entsorgung des anfallenden Abwassers (Flowback). Da die ökologischen Risiken schwer abzuschätzen sind, empfiehlt das UBA strenge Auflagen für den Einsatz der Technologie. Die Landesregierung Schleswig-Holstein lehnt Fracking deswegen komplett ab.

Gibt es auch in Deutschland solche Erdgas-Lagerstätten?

Ja, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen - aber in geringerer Konzentration auch in Schleswig-Holstein. Sie befinden sich in Schiefertonformationen, Kohleflözen und dichten Sandsteinformationen. Studien gehen davon aus, dass der deutsche Gasbedarf mit den Vorkommen bis zu 27 Jahre lang gedeckt werden könnte. Allerdings gelten 14 Prozent der Fläche als Wasserschutzgebiete, somit ist das Förderpotenzial weit geringer.

Warum wird die Suche nach möglichen Fracking-Standorten nicht einfach abgelehnt?

Die Ursache liegt im veralteten Bergrecht, das den rechtlichen Rahmen für den Abbau von Bodenschätzen bildet. Darin ist auch festgehalten, dass Energieunternehmen grundsätzlich einen Anspruch auf Aufsuchungserlaubnis haben. (Dazu eine Übersicht der Landesregierung SH. Siehe vor allem Punkt 9)

Gibt es Länder, in denen Fracking das Grundwasser bereits verschmutzt hat?

In den USA kam es nach Medienberichten aufgrund unzureichender Umweltgesetze und technischer Unzulänglichkeiten zu Grundwasserbelastungen und regionalen Beeinträchtigungen der Trinkwasserversorgung.

Was führen die Befürworter von Fracking an?

Durch Fracking sind die Fördermengen von Öl und Gas in den vergangenen Jahren stark gestiegen.  In den Jahren 2005 bis 2013 stieg die Gasförderung in den USA um 30 Prozent. Fast  die Hälfte ihres  Ölverbrauchs können die USA inzwischen durch eigene Produktion decken. (Statistik zur Förderung und zum Verbrauch) Dadurch sind auch für deutsche Verbraucher die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl spürbar nach unten gegangen. Die Abhängigkeit vom politisch labilen Nahen Osten werde durch Fracking verringert, argumentieren die Befürworter. Die westlichen Industrieländer seien dadurch in der Lage, einen größeren Anteil ihres Energiebedarfs zu decken. Außerdem seien die Gefahren, die Fracking angeblich mit sich bringt, nicht so groß, wie oft angenommen. Seriöse Wissenschaftlicher halten jedoch dagegen.

Was sind die Pläne der Bundesumweltministerin?

Laut ihrem Gesetzentwurf vom 19. November will Barbara Hendricks Fracking nicht grundsätzlich verbieten. Es soll aber strenge Auflagen geben. In Trinkwasser- und Naturschutzgebieten soll Fracking grundsätzlich nicht erlaubt werden. Für alle anderen Gebiete soll gelten: Fracking ist erst ab Tiefen unter 3000 Metern möglich, um das Grundwasser zu schützen. Hat dann eine Expertenkommission keine Einwände, kann die zuständige Landesbehörde des Fracking genehmigen, muss es aber nicht. Außerdem muss nachgewiesen werden, dass keine Gefahr für das Wasser besteht.

 
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erstellt am 20.Nov.2014 | 12:07 Uhr

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