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Thüringen : Gerstungen: Geplante Flüchtlingsunterkunft angezündet

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Eine Frau stellte das Haus als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung und warb auf Facebook damit. Jetzt brannte das Haus.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2015 | 13:36 Uhr

Gerstungen | Unbekannte haben im thüringischen Gerstungen ein für die Unterbringung von Flüchtlingen bereitgestelltes Wohnhaus angezündet. Die Eigentümerin hatte das leerstehende Haus als Unterkunft angeboten, in der Nacht zum Freitag brach dort dann ein Feuer aus, wie die Gothaer Polizei mitteilte. Die Kriminalpolizei geht von Brandstiftung aus und schließt einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht aus. Nun ermitteln Landeskriminalamt und Staatsschutz. Der Sachschaden wird auf 25.000 Euro geschätzt. Ein Zeuge hatte den Brand in dem Haus bemerkt und die Polizei alarmiert. Verletzt wurde niemand.

Nach Angaben von Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) hatte die Eigentümerin auf Facebook angekündigt, ihr Haus für Flüchtlinge anzubieten - und dafür bereits böse Reaktionen erhalten. Lauinger bezeichnete die Brandstiftung als „feige und hinterhältig“. Die wiederholten Anschläge auf Unterkünfte für Flüchtlinge machten ihm Sorgen. „Wir werden davor aber nicht in die Knie gehen.“

In der Nacht zum Montag hatten in Rockensußra (Kyffhäuserkreis) die Dachstühle von drei leerstehenden Gebäuden gebrannt, kurz bevor der Ortschaftsrat darüber diskutieren wollte, ob dort Flüchtlinge einziehen sollen. Die Polizei geht auch dort von Brandstiftung aus.

Auch das vor einer Woche entstandene Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft im südhessischen Heppenheim ist vorsätzlich gelegt worden. Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund gebe es aber nach wie vor nicht, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Darmstadt am Freitag mit. „Es könnten auch andere Gründe vorliegen, etwa Streit.“ Definitiv ausgeschlossen werden könne Fremdenfeindlichkeit aber auch nicht. Bei dem Feuer waren mehrere Personen verletzt worden.

Die Brände reihen sich in eine große Anzahl an Anschlägen ein, die in diesem Jahr auf Flüchtlingsheime verübt wurden. Eine Auswahl:

9. Februar 2015 In Escheburg (Schleswig-Holstein) wird ein brennender Benzinkanister in ein Zweifamilienhaus geworfen. An diesem Tag sollten sechs Flüchtlinge aus dem Irak einziehen. Verletzt wird niemand. Ein 38-Jähriger wird als Täter identifiziert und verurteilt.
28. Februar 2015 In Liliental bei Bremen werfen Unbekannte einen Molotow-Cocktail an die Hauswand eines Einfamilienhauses. Dort hat die Gemeinde 15 Flüchtlinge untergebracht. Niemand wird verletzt.
4. April 2015 Tröglitz (Sachsen-Anhalt): Unbekannte legen Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft. Zuvor war der Ort in die Schlagzeilen geraten, als Bürgermeister Markus Nierth nach rechtsextremen Anfeindungen im März zurücktritt.
17. April 2015 Hepberg (Bayern): Unbekannte zünden eine noch unbewohnte Flüchtlingsunterkunft an. Zehn bis zwölf Personen hätten in den Wohncontainern unterkommen sollen. Der Sachschaden beträgt 10.000 Euro.
6. Mai 2015 Limburgerhof bei Mannheim: Unbekannte zünden eine noch nicht bewohnte Containeranlage für Flüchtlinge an. Der Sachschaden beträgt etwa 25.000 Euro.
28. Juni 2015 In Meißen (Sachsen) wird in der Nacht ein Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft gelegt. Verletzt wird niemand, da das Gebäude noch unbewohnt ist. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.
29. Juni 2015 Ein Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Lübeck-Kücknitz verursacht Sachschaden in Höhe von 1000 Euro. Das Feuer im Rohbau konnte die Feuerwehr schnell löschen. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund liegt nahe, so die Polizei.
18. Juli 2015 Remchingen-Singen (Baden Württemberg): Unbekannte legen ein Feuer und verursachen einen Schaden in Höhe von 70.000 Euro an einem Haus, welches als Flüchtlingsheim geplant war. Verletzt wird niemand.
16. Juli 2015 Reichertshofen (Bayern): Unbekannte brennen einen Gasthof nieder, der als Flüchtlingsunterkunft dienen solllte. An dem leerstehenden Gebäude entsteht hoher Sachschaden. Verletzt wird niemand.
26. August 2015 Unbekannte werfen in Leipzig einen Molotowcocktail in ein als Flüchtlingsheim geplantes Haus. Verletzt wird niemand, der Sachschaden kann gering gehalten werden. 56 Flüchtlinge sollten am Tag in das Haus einziehen.
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