Bundesparteitag der Liberalen : „German Mut“: Die neue FDP, der schmuddelige Slogan und Cannabis

Die FDP beweist Mut und stimmt für die Legalisierung von Cannabis. Mutig ist auch der Slogan, denn er ist doppeldeutig.

Avatar_shz von
17. Mai 2015, 13:32 Uhr

Berlin | Die FDP beendet am Sonntag in Berlin ihren Bundesparteitag. Christian Lindner wurde zuvor das Vertrauen ausgesprochen. Bei seiner Wiederwahl hatten die Liberalen dem Bundesvorsitzenden den Rücken gestärkt. Er bekam mehr als 92 Prozent der Stimmen. Nachdem es bereits ein neues Logo gibt und ein frecher Slogan künftig die Richtung weisen soll, scheint die FDP zurück in der Spur. Doch die Kampfansage „German Mut“ sorgt für Erheiterung.

Eigentlich soll „German Mut“ eine Anlehnung an die „German Angst“, also die notorische Panik der Deutschen sich vor allem und jedem zu fürchten, sein. Der neue FDP-Mut zur Veränderung, zu Fortschritt und Selbstbestimmung und weniger Zögerlichkeit kommt auf den textmarkerfarbenen Parteitagslogos modern und jünger rüber.

Das Onlinemagazin Heise sieht die Parole jedoch als fehlinterpretierte „Sprachpanscherei“. Demnach stehe das irrtümlich als denglisch deklarierte „German Mut“ eben nicht für den deutschen Mut zur Veränderung, sondern für einen australisch-englischen Slangausdruck. „mut“ steht laut urbandictionary.com für etwas komplett anderes – etwas vulgärer, etwas rassistischer. Und so fragt sich Autor Markus Kompka auch gleich, ob der neue Slogan „speziell Feministinnen“ ansprechen soll, oder aber aus „sexistischem Kalkül“ gewählt wurde. Dass der Spruch des FDP-Parteitages eigentlich „German Maut“ hätte heißen sollen sei jedoch abwegig, schreibt Kompka und stützt sich auf einen Twitter-Kommentar:

Der Hashtag zum Parteitag der Liberalen stößt trotz der Doppeldeutigkeit auf viel positive Resonanz im Netz:

Die Liberalen haben am Sonntag gleich mal ihren „German Mut“ zusammen genommen und wollen Cannabis legalisieren. Mit knapp 62 Prozent stimmten sie auf dem Parteitag für eine Legalisierung unter strikten Auflagen. Die Droge sollte künftig als „Genussmittel“ in ausgewählten Geschäften mit Lizenz an Erwachsene verkauft werden können. Geschätzt gibt es bis zu vier Millionen Cannabis-Konsumenten in Deutschland.

Damit konnte der Parteinachwuchs von den Jungen Liberalen einen großen Erfolg feiern, der seit Jahren für die Legalisierung wirbt. „Wir sind froh, dass die FDP realisiert, dass Cannabis für viele Menschen zum Alltag gehört“, sagte Juli-Chef Konstantin Kuhle. Cannabis-Produkte gelten in Deutschland als illegale Suchtmittel.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen