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Explosion in St. Petersburg : Geheimdienste in Zentralasien ermitteln nach Bombenanschlag

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Unbekannte deponieren Bomben in der U-Bahn, bei einer Explosion sterben mindestens elf Menschen. Noch ist vieles unklar.

St. Petersburg | Der Geheimdienst der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik Kirgistan hilft den russischen Behörden bei den Ermittlungen nach dem Bombenanschlag der St. Petersburger U-Bahn. Die Identität eines jungen Kirgisen, der mittlerweile russischer Staatsbürger ist, sei geklärt, teilte der Geheimdienst am Dienstag in der Hauptstadt Bischkek mit. Russische Ermittler bringen ihn mit dem Attentat in Verbindung.

Durch die Explosion eines Sprengsatzes waren am Montag in St. Petersburg mindestens 14 Menschen gestorben, etwa 50 wurden verletzt. Eine zweite Bombe wurde rechtzeitig entschärft. Das staatliche Ermittlungskomitee geht von einem Terroranschlag aus.

Auch die Behörden in Kasachstan waren eingeschaltet. Doch ein kasachischer Student, dessen Name in St. Petersburg kursierte, habe wohl nichts mit dem Anschlag zu tun. Das sagte Vize-Geheimdienstchef Nurgali Bilisbekow in Astana der Agentur Interfax zufolge.

Aus dem muslimisch geprägten Teil der früheren Sowjetunion haben sich viele junge Männer islamistischen Extremisten in Syrien oder dem Irak angeschlossen. Die zentralasiatischen Staaten und Russland fürchten radikalisierte Rückkehrer.

Nach einem Bombenanschlag in der U-Bahn der russischen Millionenmetropole St. Petersburg sind die Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt massiv verstärkt worden. Alle Zugänge zu den U-Bahnen würden zusätzlich bewacht, teilte der Metro-Betreiber mit. Zudem würden Busse und Straßenbahnen stärker überprüft. Auch in der Hauptstadt Moskau patrouillieren zahlreiche Polizisten an den Flughäfen, Bahnhöfen und in den Metro-Stationen.

Die Suche nach den Tätern läuft weiterhin auf Hochtouren. Bei einem der Täter soll es sich nach Medienberichten um einen Mann aus Zentralasien handeln. „Es gibt eine Version, nach der die Bombe von einem Selbstmordattentäter getragen wurde“, sagte eine Quelle innerhalb der Sicherheitsbehörden der Agentur Interfax. Nach bisherigen Kenntnisstand soll der Mann 23 Jahre alt sein und radikal-islamistische Verbindungen haben. Zunächst hatte es geheißen, dass der Anschlag nicht von einem Selbstmordattentäter verübt worden sei.

Die Metro in St. Petersburg

Die Untergrundbahn in St. Petersburg gilt als die tiefste der Welt. Aufgrund des sumpfigen Grundes mussten die Tunnelschächte in bis zu 100 Metern Tiefe und mehr gegraben werden. Die Rolltreppen in den Stationen sind entsprechend lang. Der Bau begann zu Sowjetzeiten.

1955 wurde im damaligen Leningrad die erste Linie eröffnet, 10,8 Kilometer lang mit acht Stationen. Einige Stationen sind besonders prunkvoll. Heute gibt es fünf Metrolinien mit einer Streckenlänge von etwa 110 Kilometern und 67 Stationen. Täglich werden schätzungsweise etwa drei Millionen Menschen befördert.

 

Die staatliche Agentur Tass zitierte eine Quelle, nach der ein Mann und eine junge Frau aus Zentralasien in die Tat involviert sein könnten. Die Behörden hatten am Montag nach zwei Verdächtigen gesucht, die auf Bildern von Überwachungskameras entdeckt wurden.

Präsident Wladimir Putin, der am Abend rote Rosen am Eingang der Metrostation Technisches Institut ablegte, sei über alle Entwicklungen informiert, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die Theorie über einen Selbstmordattentäter kommentierte er nicht.

Foto: dpa-Infografik
 

Die Stadtverwaltung von St. Petersburg rief eine dreitägige Trauer aus. Zahlreiche Menschen stellten vor den Zugängen der U-Bahn-Stationen und in Moskau in der Nähe der Kremlmauer Kerzen auf und legten Blumen für die Opfer nieder.

Wenige Stunden nach dem Anschlag nahmen die U-Bahnen ihren Betrieb wieder auf. Die Metro der Linie 2, auf der es zu der Explosion kam, werde zunächst jedoch nur einige Stationen anfahren, teilte der U-Bahn-Betreiber der Agentur Interfax zufolge mit. Für weitere Ermittlungen bleibe auch eine zweite U-Bahn-Station gesperrt.

Putin war am Montag anlässlich einer Konferenz und eines Treffens mit dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko in St. Petersburg, hielt sich aber nach Angaben seines Sprechers im Vorort Strelna auf.

In der Vergangenheit hatte es mehrere Anschläge auf die U-Bahn in der russischen Hauptstadt Moskau mit zahlreichen Toten gegeben. Die meisten davon wurden in Verbindung mit islamistischen Terroristen aus Tschetschenien gebracht. In St. Petersburg gab es bislang keine Anschläge mit Toten.

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erstellt am 04.Apr.2017 | 10:13 Uhr

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