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Bundeswehr in Westafrika : Gefährlicher Einsatz: Wird Mali zu einem zweiten Afghanistan für die Bundeswehr?

vom

Das Kabinett will die Entsendung von bis zu 650 Soldaten in den Norden Malis beschließen, der von islamistischen Rebellen terrorisiert wird.

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2016 | 11:34 Uhr

Berlin | Seit 14 Jahren gilt Afghanistan als gefährlichster Einsatz der Bundeswehr. Das könnte sich bald ändern.

Raketen schlagen kurz vor Sonnenaufgang mitten in einem Camp der UN-Friedenstruppen ein und töten zwei Blauhelmsoldaten sowie einen zivilen Mitarbeiter. Ein Selbstmordattentäter fährt ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug vor den Eingang eines anderen UN-Camps und sprengt sich in die Luft. Drei Menschen werden getötet, mindestens 16 verletzt. Eine Bombe explodiert an einer wichtigen Verbindungsstraße und zerstört ein Militärfahrzeug, das einen Konvoi begleitet. Zwei Soldaten werden schwer verletzt.  Solche Nachrichten von Attacken auf internationale Truppenverbände kennt die deutsche Öffentlichkeit vor allem aus Afghanistan. Diese Meldungen hier stammen aber aus dem Norden Malis - alle aus dem gerade abgelaufenen Jahr 2015. In Deutschland wurden sie kaum wahrgenommen. Lediglich die Geiselnahme in einem Luxushotel in der Hauptstadt Bamako mit 21 Toten einschließlich der beiden Angreifer sorgte im November für große internationale Aufmerksamkeit.

Das Interesse für Mali und die Sicherheitslage dort wird in Deutschland wohl bald deutlich steigen. An diesem Mittwoch entscheidet das Kabinett über die Teilnahme von bis zu 650 Soldaten an der UN-Friedenstruppe Minusma im Norden Malis. Bisher sind nur zehn deutsche UN-Soldaten in der Hauptstadt Bamako stationiert. Weitere 235 Soldaten bilden im relativ sicheren Süden des Landes im Rahmen einer EU-Ausbildungsmission die malischen Streitkräfte aus. Jetzt geht es erstmals in den Norden. Das Wüstengebiet war 2012 für wenige Monate unter die Kontrolle von islamistischen und Tuareg-Rebellen geraten, bevor die frühere Kolonialmacht Frankreich intervenierte. Aufgabe von Minusma ist es nun, die Durchsetzung eines Friedensabkommens zwischen der Regierung in Bamako und den verschiedenen Rebellengruppen zu unterstützen.

Das wird deutlich anspruchsvoller als das, was die Bundeswehr bisher in Mali macht. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels, warnt bereits: „Das ist eine gefährliche Mission, vergleichbar mit Afghanistan zur Zeit des Kampfeinsatzes der Nato.“ Vergleichbar ist vor allem, dass die ausländischen Truppen von Rebellen angefeindet und angegriffen werden. 72 Blauhelmsoldaten wurden seit Beginn der Mission im März 2013 getötet. Der Unterschied liegt darin, dass die Bundeswehr in Mali keinen Auftrag hat, die Rebellen offensiv zu bekämpfen. Dafür gibt es die getrennte Mission „Barkhane“ der französischen Streitkräfte. So war das in Afghanistan anfangs allerdings auch. Die Bundeswehr verstand sich im Rahmen der Nato-Mission Isaf als Friedenstruppe. Und dann gab es noch die von den USA geführte offensive Anti-Terror-Mission „Enduring Freedom“. Aus Isaf wurde in den Jahren 2009 bis 2012 auch in dem einst relativ ruhigen Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr ein offensiver Kampfeinsatz mit stundenlangen Gefechten und Sprengstoffanschlägen. 55 deutsche Soldaten kamen ums Leben. Insgesamt wurden in Afghanistan 3.500 Soldaten der internationalen Truppen getötet.

Seit einem Jahr ist der Nato-Kampfeinsatz beendet, die Bundeswehr ist nun nur noch zur Ausbildung und Beratung am Hindukusch. Jetzt könnte Mali zum gefährlichsten Einsatz deutscher Soldaten werden.  Die Bundeswehr wird in Gao stationiert. Der Ort mit seinen knapp 100 000 Einwohnern war zwischen Mitte 2012 und Anfang 2013 die Hauptstadt des Rebellenstaats „Azawad“. Die deutschen Soldaten werden vor allem für Aufklärung zuständig sein, sich aber auch selbst gegen Angriffe schützen.  Es wird das sein, was man einen „robusten Einsatz“ nennt. Das heißt übersetzt: Man man wird auf Kämpfe vorbereitet sein. „Es ist wichtig, dass man da gut ausgerüstet hingeht. Ich würde empfehlen, sich dort stark aufzustellen“, mahnt Bartels.

Der Einsatz hat sicherheitspolitisch eine große Bedeutung.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat vor zwei Jahren bei einem Besuch in New York versprochen, dass sich Deutschland stärker an UN-Missionen beteiligen wird. Das löst sie nun ein. Außerdem gilt Mali der Bundesregierung als Beweis, dass Deutschland bereit ist, mehr Verantwortung in der Welt zu übernehmen - auch in Afrika. 

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