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Politik

13. Dezember 2017 | 01:25 Uhr

Gauck hört auf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bundespräsident verzichtet auf eine zweite Amtszeit / Gründe sind das fortgeschrittene Alter und gesundheitliche Beschwerden

<p>Anna-Kathrin Gellner</p> von
erstellt am 03.Jun.2016 | 23:36 Uhr

Lange war auf die Entscheidung gewartet worden. Spätestens bis zum Frühsommer wollte sich Bundespräsident Joachim Gauck entscheiden, ob er eine zweite Amtszeit antritt. Gestern am späten Abend platzte die Bombe. Nach Informationen der Bild, die sich auf politische Kreise beruft, hat sich der 76-Jährige gegen eine weitere Amtsperiode entschieden.

Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki äußerte sich am gestrigen späten Abend gegenüber unserer Zeitung zu Gaucks Entscheidung, die er so nicht erwartet hatte. Kanzlerin Angela Merkel werde einen Vorschlag machen, aber er könne sich nicht vorstellen, dass dieser auf Frank-Walter Steinmeier hinauslaufe, auch wenn dieser ein würdiger Kandidat sei.

Die Bundesversammlung, die das Staatsoberhaupt wählt, tritt am 12. Februar 2017 zusammen. Gauck hatte seine erste Amtszeit im März 2012 angetreten. Er war Nachfolger von Christian Wulff, der nach nur 20 Monaten wegen Ermittlungen im Zusammenhang mit einem Hauskredit zurückgetreten war. 2010 war Gauck als Kandidat von Rot-Grün bei der Wahl des Bundespräsidenten noch gegen Wulff unterlegen. 2012 unterstützten ihn nach einigem Zögern auch Merkel und die Union.

Auf einer China-Reise im März sagte Gauck, es sei ein schönes Gefühl zu spüren, dass viele Menschen sich eine Fortsetzung seiner Arbeit wünschten. „Dabei muss man aber auch seine eigenen physischen und psychischen Kräfte bedenken“, sagte er. Bis zuletzt war spekuliert worden, ob er wegen der Auswirkungen der Flüchtlingskrise und angesichts des Erstarkens der AfD aus einem Bewusstsein der Verantwortung heraus noch einmal antritt. Er betonte aber auch, dass sich Deutschland trotz aller Herausforderungen nicht in einer Staatskrise befinde.

Gauck war in der Endphase der DDR 1989 als Unterstützer der Bürgerrechtsbewegung bekannt geworden. Nach der Wende wurde er als Kandidat für Bündnis 90 in die letzte DDR-Volkskammer gewählt. Von 1991 bis 2000 war er Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.

Ein Schwerpunkt seiner ersten Amtszeit war das Bemühen, Deutschlands Rolle in der Welt zu definieren und mehr Verantwortungsbewusstsein einzufordern. Auch militärisches Engagement dürfe nicht mit dem Hinweis auf die nationalsozialistische Vergangenheit ausgeschlossen werden, sagte er 2014 auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Auch die Flüchtlingskrise machte er zu seinem Thema. „Unser Herz ist weit. Aber unsere Möglichkeiten sind endlich“, betonte er.

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