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Debatte vor der Norla : Gastbeitrag von Werner Schwarz: „Sehen wir die Chancen!“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Digitalisierung ist für bäuerliche Familienbetriebe eine wichtige Versicherung, sagt der Bauernverbandspräsident.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2017 | 09:39 Uhr

Die Landwirtschafts- und Verbrauchermesse Norla, die zum 68. Mal am Donnerstag in Rendsburg beginnt, steht immer mehr auch im Zeichen modernster Technologie. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) und Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, nehmen sich in Gastbeiträgen für unsere Zeitung dieser Entwicklung an.

Hier lesen Sie den Text von Robert Habeck.

Werner Schwarz: „Sehen wir die Chancen!“

Die Digitalisierung ist in der neuen Landesregierung im Landwirtschaftsministerium angesiedelt. Für mich ist das ein richtiges Signal. Denn die Digitalisierung begleitet uns Bauern schon lange. Regelmäßig ist die Landtechnik dem Automobilbau um einiges voraus, was moderne Getriebe, umweltfreundliche Technologien, selbststeuernde Maschinen, Sensorsteuerung oder die Datenauswertung betrifft.

Wir erreichen Verbesserungen für Tier und Pflanze, Luft und Wasser – alles Forderungen der Gesellschaft. Es gibt für viele dieser Forderungen eine technische Lösung. Und ich meine, wir sollten in Deutschland diesen Weg beschreiten, statt uns aus der Fläche zurückzuziehen und damit auf viele wertvolle Impulse der Landwirtschaft für den ländlichen Raum zu verzichten.

Die Digitalisierung der Landwirtschaft bestimmt auch unsere Norla, sei es die ausgestellte Technik, das überregionale Branchenforum LandtechnikDigital in unserem Haus oder die neu entwickelte Hofplaner-App des Bauernverbandes. Mit dieser App stellen wir unseren Mitgliedsbetrieben eine neue Hilfe im täglichen Geschäft mit den zahlreichen Fristen zur Verfügung. Nicht nur in der Landwirtschaft gleicht die Herausforderung der Fristen inzwischen einer Überforderung. Hier wollen wir helfen.

Leider liegt bei der Digitalisierung einiges im Argen. International steht Deutschland in der Breitbandabdeckung auf Platz 25, beim Mobilfunk nur auf Platz 44. Noch weiter zurück ist der ländliche Raum. Doch sorgt der Markt allein nicht für eine flächendeckende Abdeckung der ländlichen Räume. Diese Rückstände versuchen wir mithilfe von Stadtwerken und kommunalen Zweckverbänden aufzuholen. Auch wenn sich hier viel tut, werden keineswegs alle Ortslagen bedient.

Ich selbst habe ein unfreundliches Schreiben der Stadtwerke erhalten, in dem man mir den Breitbandanschluss verwehrt. Mit der etwas irreführenden Begründung: Es ginge um Wirtschaftlichkeit und eine möglichst kostengünstige Versorgung aller Kunden.

Auch das LTE-Netz ist äußerst lückig. Durch den Rückbau von 3G steht häufig nur noch Edge zur Verfügung und nach wie vor gibt es Versorgungslücken und Funklöcher. Wir brauchen deshalb eine staatlich geregelte, flächendeckende Versorgung mit solidarischer Kostentragung. Ich hoffe, Digitalisierungsminister Robert Habeck tritt im Interesse des ländlichen Raums für einen entsprechenden Infrastrukturauftrag mit kurzen Umsetzungsfristen ein.

In der Präzisionslandwirtschaft kämpfen wir mit Signalabbrüchen, mangelnder Kompatibilität und hohen Lizenzkosten. Das verhindert den Einsatz dieser Zukunftstechnologie gerade für kleine und mittelgroße Ackerbaubetriebe und gefährdet am Ende deren Wettbewerbsfähigkeit. Mittels Digitalisierung lassen sich bei Betriebsmitteln wie Dünger und Pflanzenschutz 10 bis 15 Prozent der Menge einsparen. Ein riesengroßer Gewinn für Umwelt und Betriebe zugleich. Rheinland-Pfalz hat das Satellitenpositionierungssystem SAPOS für die kostenlose Nutzung in der Landwirtschaft freigegeben. Auch Schleswig-Holstein sollte diesen Schritt gehen, gerade im Interesse unserer kleinen und mittleren Betriebe.

Doch auch in der Tierhaltung werden wir in Zukunft mehr auf digitale Lösungen zum Wohl der Tiere setzen. Seit alters her gilt: „Das Auge des Herrn mästet das Tier“. Der Mensch ist nicht ersetzbar. Aber eine Auswertung von Fütterungs- oder Bewegungsdaten, in Zukunft vielleicht sogar einer digitalen Tierbeobachtung, kann dieses ergänzen.

Mit der Digitalisierung ist die sensible Frage nach Datenhoheit und Datenschutz verbunden. Gerade Landwirte sind empfindlich, was die Weitergabe der betrieblichen Daten angeht. Diese Frage darf aber nicht zu einem unüberwindbaren Wettbewerbshindernis werden. Einen Datenschutz nach deutscher Vorstellung gibt es nur noch in Österreich. Auch hier ist Augenmaß gefragt. Blicken wir nach vorn, sehen wir die Chancen. Die Digitalisierung ist für unsere bäuerlichen Familienbetriebe keine Zukunftsgarantie aber eine wichtige Versicherung.

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