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Sturmgewehr der Bundeswehr : G36-Prüfkommission: Soldaten im Einsatz haben keine Probleme

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Präzisionsprobleme des Standardgewehrs der Bundeswehr sorgten im Frühjahr für Aufregung. Die Gewehre sollen ausgemustert werden. Doch jetzt wird das G36 plötzlich gelobt.

Berlin | Die Bundeswehrsoldaten in den Auslandseinsätzen haben keine Probleme mit der Treffsicherheit des umstrittenen Sturmgewehrs G36 festgestellt. „Die einsatzerfahrenen Soldaten haben die Qualifizierung des G36 als Pannengewehr widerlegt“, stellte eine vom Verteidigungsministerium eingesetzte Prüfkommission bei der Befragung von 200 Soldaten fest.

Eine umfassende Laboruntersuchung hatte im Frühjahr ergeben, dass beim G36 bei Erhitzung massive Präzisionsprobleme auftreten. Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte daraufhin im August die Ausmusterung von 167.000 Gewehren ab 2019 angeordnet.

Präzisionsmängel im Gefecht hätten die Soldaten etwa in Afghanistan nicht wahrgenommen. Es sei auch niemand im Einsatz gefährdet worden. Im Gegenteil: Das Standardgewehr der Bundeswehr sei durchgängig als bedienungsfreundlich, leicht und kaum störanfällig gelobt worden. „Die Verlässlichkeit wurde besonders hervorgehoben“, hieß es aus der Kommission, deren Ergebnisse der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei und der frühere Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus am Mittwoch in Berlin vorstellten.

Die CDU-Politikerin bewertete die Ergebnisse zunächst nicht. „Wir werden das jetzt analysieren, in Ruhe aufarbeiten und dann auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen“, sagte sie.

Hintergrund: Das Sturmgewehr G36

Das Sturmgewehr G36 gehört seit 1996 zur Standardausrüstung jedes Bundeswehrsoldaten. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden 176.544 der Waffen bei dem baden-württembergischen Hersteller Heckler & Koch eingekauft, von denen noch 166.619 genutzt werden.

Das Gewehr besteht zum großen Teil aus Kunststoff und ist deswegen mit einem Gewicht von dreieinhalb Kilogramm vergleichsweise leicht. Es hat ein Kaliber von 5,56 mal 45 Millimetern und kann Einzelschüsse und Dauerfeuer abgegeben.

Nachdem in einer Untersuchung Präzisionsprobleme festgestellt wurden, entschied Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im August das G36 auszumustern. Ab 2019 soll es durch ein neues Standardgewehr ersetzt werden.

Auch Armeen anderer Länder nutzen das G36. In Lettland, Litauen und Spanien ist es wie bei der Bundeswehr das Standardgewehr, verwendet wird es aber auch von Spezialeinheiten in Jordanien, Norwegen und Mexiko. 8000 G36-Gewehre hat die Bundeswehr an die kurdische Armee im Nordirak für ihren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat abgegeben.

Hintergrund: Präzisionsprobleme beim G36

Seit 2010 gab es Hinweise auf Präzisionsprobleme bei dem Gewehr. Die Spitze des Verteidigungsministeriums wusste davon spätestens im März 2012. Damals war der heutige Innenminister Thomas de Maizière (CDU) Ressortchef.

Lange Zeit wurde eine Untersuchung nach der anderen durchgeführt. Die Bewertungen waren unterschiedlich. Die letzte Laboruntersuchung vom Mai 2015 brachte allerdings eindeutige Ergebnisse. Von der Leyen sagte daraufhin, das G36 habe keine Zukunft in der Bundeswehr.

Eine weitere vom Ministerium eingesetzte Kommission machte Mängel in den Organisationsstrukturen der Bundeswehr für das jahrelange Hin und Her verantwortlich. Es habe ein „unglückliches Zusammenwirken“ verschiedener Stellen gegeben und nicht alle Verantwortlichen seien ihrer Verantwortung gerecht geworden, erklärte die Kommission unter Leitung des Commerzbank-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller. Korruption stellte sie aber nicht fest.

Insgesamt befassten sich vier vom Ministerium eingesetzte Kommissionen mit der Aufarbeitung der G36-Affäre.

Immer wieder kam es in der Vergangenheit bei der Bundeswehr zu Skandalen und Pannen. Darunter waren mangelhafte Helme und teilweise nicht einsatzbereite Hubschrauber und Flugzeuge.

Erst in dieser Woche hat das Verteidigungsministerium die Beschaffung von „Eurofighter“-Kampfjets wegen eines Fertigungsfehlers vorerst gestoppt. Bei der Panne gehe es um mangelhafte Bohrungen zwischen dem hinteren Rumpf und dem Leitwerk, heißt es in einem Schreiben des Ministeriums. „In der Folge dieses Mangels kann eine Schädigung der Struktur des Luftfahrzeuges und der Schraubverbindungen in diesem Bereich im Rahmen der Nutzung nicht ausgeschlossen werden.“

Der laufende Flugbetrieb werde aber nicht beeinträchtigt. Vier „Eurofighter“ sind derzeit zur Luftraumüberwachung über dem Baltikum im Einsatz. Das Herstellerkonsortium aus dem europäischen Luftfahrtkonzern Airbus, der britischen BAE Systems und der italienischen Alenia Aermacchi hat von 143 bestellten „Eurofightern“ bisher 110 ausgeliefert, die alle von dem Fehler betroffen sind. Die restlichen 33 soll die Bundeswehr bis 2018 erhalten. Die Abnahme weiterer Flieger wurde nun ausgesetzt, um den Fehler und mögliche Gewährleistungsansprüche zu prüfen.

Der „Eurofighter“ gehört zu den Rüstungsprojekten, die dem Ministerium in den letzten Jahren am meisten Probleme bereitet haben. Die Produktion liegt inzwischen elf Jahre und vier Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück. Der Flieger hat sich nach Ministeriumsangaben um 6,9 Milliarden Euro verteuert. Das entspricht einer Kostensteigerung von 39 Prozent. Schon im vergangenen Jahr gab es Probleme mit Nietenbohrungen am Rumpf, im Jahr davor gab es eine Panne bei den Schleudersitzen.

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erstellt am 14.Okt.2015 | 13:36 Uhr

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