zur Navigation springen

Explosionen vor dem Stade de France : Fußball nach dem Terror: So reagieren Deutschland, Belgien und England

vom

Nach einer Anhebung der Terrorwarnstufe sagt Belgien das Turnier gegen Spanien ab. Andere Spiele sollen Zeichen setzen.

Brüssel | Wie geht es nach dem Terror von Paris für die Fußballwelt weiter? Vor dem Stade de France sprengten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft, vermutlich wollten sie sogar ins Stadion. Heute finden die ersten Länderspiele seit den Anschlägen statt.

Während des Fußballspiels zwischen Frankreich und Deutschland haben sich zwei Selbstmordattentäter vor dem Stadion in Paris in die Luft gesprengt. Die Detonationen waren während er Fernsehübertragung zu hören. Weitere Anschläge gab es in der Innenstadt. Dabei starben bislang 129 Menschen. Mehrere Verletzte schweben noch in Lebensgefahr.

Belgien sagt Spiel gegen Spanien ab

 

Der belgische Fußball-Verband am späten Montagabend das Testspiel seiner Nationalmannschaft gegen Europameister Spanien abgesagt. Die Partie sollte am Dienstagabend im Stadion Roi Baudouin in Brüssel stattfinden. Mit seiner Absage reagierte der Verband auf die Anhebung der Terrorwarnstufe auf 3 in Belgien. Auf der vierstufigen Skala bedeutet dies, dass eine Bedrohung als „möglich und wahrscheinlich“ angesehen wird. Nach der Serie von Anschlägen in Paris waren am Montag unter anderen gegen zwei Terrorverdächtige in Belgien am Haftbefehle erlassen worden. Der Brüsseler Stadtbezirk Molenbeek gilt als Islamistenhochburg. Am Montag hatte ein vierstündiger Spezialeinsatz der belgischen Polizei dort aber keinen Erfolg gebracht.

„Wir bedauern zutiefst, dass ein solches Freundschaftsspiel zwischen zwei motivierten Teams so spät abgesagt wird, und wir verstehen die Enttäuschung vieler Fans. Unter Berücksichtigung der außergewöhnlichen Umstände können wir jedoch keinerlei Sicherheitsrisiko für unsere Spieler und Fans eingehen“, schrieb der königlich-belgische Fußball-Verband auf seiner Homepage. Zu dem Spiel waren 50.000 Zuschauer erwartet worden.

Deutschland spielt in Hannover: Polizei patrouilliert mit Maschinenpistolen

 

Die Partie der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande am Dienstagabend in Hannover findet hingegen statt. Auch wenn es dort weniger um den Sport gehen soll als vielmehr darum, ein politisches und gesellschaftliches Zeichen zu setzen - gegen den Terrorismus. „Wir wollen als Mannschaft ein Zeichen der Gemeinschaft setzen. Mit dem französischen Volk, mit den Angehörigen der Opfer“, so DFB-Interimschef Reinhard Rauball in der DFB-Mitteilung.

Die Partie wird unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Im gesamten Stadtgebiet und in der Region Hannover patrouillieren am Dienstag rund um das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande Polizisten mit Maschinenpistolen. „Das Gesamtkonzept sieht eine deutlich erhöhte Präsenz an Polizisten vor“, sagte Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe am Montag bei einer Pressekonferenz in Hannover. Zu dem „anderen Auftreten“ gehöre neben den Maschinenpistolen auch der Einsatz von Spürhunden, betonte Kluwe. Sowohl rund um das Stadion als auch in der Arena selbst sowie bei den Unterbringungsorten der Mannschaften würden sie eingesetzt. Wie viele Beamte in Hannover und Umgebung konkret im Einsatz sein werden, wollte Kluwe unter Verweis auf die taktische Planung nicht verraten. Vor den Anschlägen von Paris am Freitag sei man davon ausgegangen, dass zwei Hundertschaften zum Einsatz kommen. „Das werden nun deutlich mehr sein“, sagte Kluwe.

Kluwe appellierte an alle Stadionbesucher, sich besonders besonnen zu verhalten. Dies gelte insbesondere auch für den Einsatz von Pyrotechnik: „Das vergangene Wochenende in Paris habe gezeigt, wie schnell es derzeit zu panischen Reaktionen kommen kann.“ Auf dem Platz der Republik in Paris war es am Sonntag kurzzeitig zu einer Panik gekommen, nachdem ein Knall zu hören gewesen war.

England: Fans wollen „Marseillaise“ singen

Auch das Spiel Frankreichs gegen England wird wie geplant am Dienstagabend in London stattfinden. Das Wembley-Stadion war bereits nach den Anschlägen in blau-weiß-rot angestrahlt, jetzt wollen die Fans nachlegen: Um ihre Solidarität mit Frankreich zu äußern, wollen die 90.000 Wembleystadion-Besucher die französische Nationalhymne singen, wie unter anderem Sport Bild berichtet. Besonders emotional: Auch Frankreichs Nationalspieler Lassana Diarra wird mitspielen. Er hat bei den Anschlägen seine Cousine verloren, wie er auf seiner Facebook-Seite bekanntgab.

Bonsoir à tous,À la suite des événements dramatiques survenus hier à Paris et à Saint Denis, c'est avec le coeur lourd...

Posted by Lassana Diarra on  Samstag, 14. November 2015

Lediglich 100 Fans haben einem britischen Medienbericht zufolge ihre Tickets für das Testländerspiel der französischen Fußball-Nationalmannschaft gegen England in London zurückgeben wollen. Auch das trug offensichtlich dazu bei, die Begegnung im Wembleystadion wie geplant am Dienstag auszutragen. Hätten Zehntausende ihr Geld zurück haben wollen, hätte es Besorgnis ausgelöst. „Aber es ist genau das Gegenteil“, sagte der Geschäftsführer des englischen Fußballverbandes, Martin Glenn, laut dem „Telegraph“ (Dienstag). „Das Publikum hat den Wunsch, zu dem Spiel zu gehen und den Glauben, dass es sicher ist. Die Menschen sind entschlossen, ihre Solidarität zu zeigen“, betonte er.

 

zur Startseite

von
erstellt am 17.Nov.2015 | 08:20 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen