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Kommentar zum Anschlag auf den BVB : Fußball ist das falsche Ziel

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Gewalt erzeugt Solidarität, nicht Angst, meint Online-Chefredakteur Joachim Dreykluft.

von
erstellt am 13.Apr.2017 | 06:30 Uhr

Am meisten beeindruckt hat mich Benedikt Höwedes. Als der Ur-Schalker twitterte: „Getrennt in den Farben, vereint gegen Gewalt! Alles Gute, @MarcBartra und dem gesamten Team des @BVB! Ich hoffe, es geht euch gut!“ Da spürte ich, wie der Mann mein Herz bewegt. Und das will etwas heißen bei diesem Fußballer und diesem Verein, die ich wahlweise als „Vorortverein aus dem nördlichen Ruhrgebiet“ oder „FC Meineid“ (ein äußerst gemeiner Bezug auf die Schalker Rolle im Bundesligaskandal 1970/71) bezeichne, nie aber beim Namen. Als gebürtiger Dortmunder und BVB-Mitglied geht der nicht über meine Lippen.

 

Noch wissen wir zu wenig über die Motive der Attentäter. Höwedes drückte mit seinem Tweet aber etwas aus, das die Täter nicht bedacht haben mögen: die emotionale Kraft dieses Sports, die Menschen bewegt über Vereins- und Ländergrenzen hinweg. Die nicht trennt, sondern vereint. Die emotional ist und tief in den Menschen steckt, vor allem im Ruhrgebiet. „Dat krisse nich wech“, sagt man in Dortmund und Gelsenkirchen dazu.

Anschläge sollen Aufmerksamkeit erzeugen und vor allem Angst. Aufmerksamkeit, ja, die haben die Täter bekommen. Aber keine Angst. Fußballfreunde, oft als biertrinkende Minderintelligenzler verunglimpft, stehen zusammen und lassen sich nicht vereinzeln. Sie verstecken sich nicht im Keller und zittern. Sie stehen zusammen auf den Tribünen und schreien. You’ll never walk alone, dieser sentimentale Song aus einem amerikanischen Kitsch-Musical, millionenfach gegröhlt in so vielen Stadien, er schweißt zusammen und lässt die erzittern, die uns Angst machen wollen.

Wer meine Mannschaft angreift, greift mich an. Das erzeugt keine Furcht, sondern Solidarität und Kraft. Die Attentäter, was immer sie wollten, haben sich mit der Fußballfamilie das falsche Ziel ausgesucht.

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