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US-Präsidentschafts-Kandidat gesucht : „Für politische Korrektheit habe ich keine Zeit“: Die große Donald-Trump-Show

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Politik-Debatte im Casting-Format: Republikaner suchen ihren künftigen Kandidaten für die Wahl des US-Präsidenten. Dabei sticht Trump unter den Bewerbern deutlich hervor.

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
erstellt am 07.Aug.2015 | 20:16 Uhr

Es wird gekreischt, gejubelt, gebuht – wenn Republikaner einen Kandidaten für das Amt des US-Präsidenten suchen, dann ist das so wie „American Idol“, die US-Vorlage für „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS). „Wollt ihr die Kandidaten sehen?“, ruft Moderatorin Magy Kelly ihrem Publikum entgegen. Es ist kurz vor 21 Uhr, beste Sendezeit im US-Fernsehen; drei Uhr morgens in Deutschland. Wer sich hierzulande für den US-Wahlkampf interessiert, sollte besser einen gültigen Vertrag mit einem US-Kabelnetz-Betreiber und eine Kundennummer haben – denn ohne Geld ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nichts zu holen. Nicht einmal die Wahlwerbung.

Kurz nach Kellys Ankündigung ziehen die zehn Vollstrecker der republikanischen Weltanschauung in die Cleveland Quicken Loan Arena in Ohio. Genauer gesagt: „Donald Trump, Jeb Bush, Scott Walker ... und sieben andere“, wie Fox es selbst wenige Minuten vor Beginn der Sendung vermeldet. Während die Demokraten sich auf Hillary Clinton festgelegt haben, kämpfen bei den Republikanern 17 Bewerber um eine Kandidatur – zehn davon vor tosendem Publikum, zur besten Sendezeit, gesponsert von Facebook. Womöglich ist das auch ein Modell für künftige Kandidaten-Urwahlen bei der SPD.

Von den meisten der Bewerber hat man außerhalb der USA so oder so noch nie etwas gehört. Im Inland scheint es Fox zufolge teilweise kaum besser zu sein. Ausnahme: die populistische Dampfwalze Donald Trump. Er ist wohl der größte Unterschied zwischen dieser Debatte und Casting-Sendungen wie DSDS. Während in Deutschland ein bissiger Dieter Bohlen in der Jury sitzt, haben die Republikaner mit Trump den Inbegriff von Intoleranz ins Zentrum ihrer Kandidaten-Show gerückt.

„Sie bezeichnen Frauen, die sie nicht mögen, als ‚fette Sau‘, ‚Hund‘ oder ‚Schlampe‘“, sagt Kelly zu Anfang an Trump gerichtet. „Klingt das für Sie nach einem Mann, den wir zum Präsidenten wählen sollen?“ Das große Problem sei es, politisch korrekt zu sein, entgegnet Trump nur, der bislang als aussichtsreichster Kandidat der Republikaner gilt. „Für politische Korrektheit habe ich keine Zeit.“ Das gilt in Trumps Welt offenbar für Frauen, für Ausländer („Wir brauchen eine Mauer an der Grenze zu Mexiko“), seine eigenen Geldgeber.

Viermal sei Trumps Unternehmen pleite gewesen, rechnet Co-Moderator Chris Wallace vor. Geldgeber hätten Millionen verloren, Trump wurde reicher. „Ich habe die Gesetze dieses Landes genutzt, um das Beste für meine Firma herauszuholen“, konterte der Mann, dessen Privatvermögen das „Forbes“-Magazin auf vier Milliarden US-Dollar schätzt. Amerika habe 19 Billionen US-Dollar Schulden, fährt Trump fort. „Man braucht jemanden wie mich, um uns aus diesem Mist herauszuholen.“ Ob er als Präsident die USA auch in den Bankrott schicken will, bleibt eine der ungeklärten Fragen an diesem Abend.

Jenseits solcher Trump-Aussagen ist sich das Gros der Bewerber oft sehr einig. Die Armee muss aufgerüstet, die Ukraine mit Waffen versorgt werden. Abtreibung ist schlecht, Steuern sowieso und Obama-Care überwiegend auch. Dazwischen viel Gejubel, viel Geschrei und Show. Im Halbstundentakt werden die einminütigen Beiträge der Kandidaten unterbrochen, um die Fox-Zuschauer auf Linie zu bringen – mit Werbespots gegen striktere Waffengesetze, gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Das konservative Weltbild scheint intakt.

Und während viele der Kandidaten wiederholt die Einigkeit innerhalb der republikanischen Partei betonen, ist es Trump, der die Korruption der politischen Klasse geißelt. Er selbst habe den meisten der Kandidaten auf dem Podium Geld gezahlt. „Wenn ich zu Hillary Clinton sage, sie soll zu meiner Hochzeit kommen, dann kommt sie zu meiner Hochzeit. Sie hat keine Wahl.” Das Vermögen ist das Pfund, mit dem der Milliardär in diesem Wahlkampf wuchern will. Bis zum bitteren Ende. Als einziger in der Runde hat er es abgelehnt, einen künftigen Kandidaten der Republikaner zu unterstützen – es sei denn, er wäre es selbst. „Ich will gewinnen“, sagt Trump. Der Bulldozer rollt also – ob mit Unterstützung der Republikaner oder ohne.

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