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Für Limburgs Millionen-Bischof wird es eng

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2013 | 00:34 Uhr

Der Druck auf den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nimmt zu: In einem Rechtsstreit mit dem „Spiegel“ hat die Staatsanwaltschaft Strafbefehl gegen den Limburger Kirchenmann beantragt. Dieser Vorgang ist nach Angaben der Bischofskonferenz bislang einmalig in Deutschland. Gestern Abend die nächste Hiobsbotschaft: Die Limburger Staatsanwaltschaft prüft, ob sie ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen Tebartz-van Elst einleitet. Seit Anfang der Woche seien vier Strafanzeigen gegen den Bischof eingegangen, die sich alle auf die Kostensteigerung beim Bau der Bischofsresidenz beziehen, sagte ein Behördensprecher.

Stunden zuvor war in Berlin der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, auf Distanz gegangen: Kommende Woche werde er mit Papst Franziskus ein Gespräch über die Lage im Bistum führen, kündigte Zollitsch an. Auf die Frage, warum er Tebartz-van Elst nicht sofort den Rücktritt nahe lege, antwortete Zollitsch: Der Papst solle die Vorschläge „nicht von der Presse, sondern von mir hören“.

Die Äußerungen von Zollitsch erinnern an den Fall eines anderen Skandalbischofs: Unmittelbar bevor der umstrittene Augsburger Bischof Walter Mixa 2010 seinen Hut nehmen musste, reiste Zollitsch ebenfalls nach Rom, um dem Papst aus erster Hand über die Vorgänge zu berichten. Nun scheint es, als wiederholten sich die Ereignisse. Der Limburger Bischof war deutschlandweit in die Kritik geraten, nachdem die Baukosten seiner Residenz von 5,5 auf 31 Millionen Euro explodierten. Zudem beantragte die Hamburger Staatsanwaltschaft gestern einen Strafbefehl wegen Falschaussagen unter Eid (wir berichteten). In dem Strafbefehl wird Tebartz-van Elst vorgeworfen, vor dem Hamburger Landgericht falsche eidesstattliche Erklärungen abgegeben zu haben. Er soll im Streit mit einem „Spiegel“-Journalisten um einen Erste-Klasse-Flug nach Indien gelogen haben. Damit droht dem umstrittenen Bischof eine Geldstrafe – legt er Widerspruch ein, kommt es zu einer Gerichtsverhandlung. Das Amtsgericht Hamburg prüft derzeit, ob es dem Antrag folgt. „Damit ist seine Glaubwürdigkeit völlig dahin“, sagte der Frankfurter Pfarrer Werner Otto, Sprecher des bischofskritischen „Hofheimer Kreises“. Tebartz-van Elst zeigte sich weiter uneinsichtig: „Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Zollitsch indes bekannte, die Situation „aufmerksam und mit großer Sorge“ zu verfolgen. „Es steht mir nicht zu, zu urteilen“, sagte er. Die Vorgänge seien „eine schwere Situation für die katholische Kirche in ganz Deutschland“.


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