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Präsident Barack Obama in Japan : Für eine Welt ohne Atomwaffen: Obama besucht Hiroshima

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Ein historischer Tag für Japan: Obama besucht als erster amtierender Präsident der USA den Ort des ersten Atomwaffenabwurfs.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2016 | 12:24 Uhr

Hiroshima | Auf dem Denkmal für die Opfer des ersten Atombombenabwurfs über Hiroshima stehen die Worte: „Die Fehler der Vergangenheit sollen nicht wiederholt werden“. Ein Satz, mit dem auch der erste Besuch eines amerikanischen Präsidenten in der vor 71 Jahren dem Erdboden gleichgemachten Stadt überschrieben werden könnte.

Der Besuch des amerikanischen Präsidenten ist ein historisches Ereignis für Japan. Bisher hat kein amtierender US-Präsident den über 140.000 Opfern des ersten Atomwaffeneinsatzes die Ehre erwiesen.

Obama schaffte es bei seiner historischen Visite, nicht in die Vergangenheits-Falle zu tappen, die seine Vorgänger davon abgehalten hatte, den schwierigen Gang anzutreten. Statt einer Entschuldigung bot der Präsident Anerkennung und Trauer um die schätzungsweise 200.000 Opfer der beiden Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki an.

Der Meister der großen Geste umarmte einen Überlebenden, der sein Leben der Sorge für die Angehörigen amerikanischer Kriegsgefangener gewidmet hatte, die bei dem Angriff auf Hiroshima ums Leben kamen. Richtigerweise blickte der Präsident nach vorn. In seiner kraftvollen Rede im Friedenspark von Hiroshima forderte er eine „moralische Revolution“, die den technologischen Fortschritt kontrolliert und Grenzen setzt. Damit so etwas wie im August 1945 nie wieder passiert.

So beeindruckend die Worte Obamas und die eindrückliche Symbolik des gemeinsamen Gedenkens auch waren, so sehr fühlte sich die Situation paradox an. Denn nirgendwo auf der Welt ist das Risiko einer neuen Nuklear-Katastrophe heute größer als in Asien.

Der US-Präsident sah einigermaßen hilflos zu, wie seit seiner Rede über eine atomwaffenfreie Welt in Prag 2009 Nordkorea einen Nuklearsprengkopf nach dem anderen produzierte. Das Arsenal des unberechenbaren Schurkenstaats wuchs auf geschätzt 20 Sprengköpfe an. Alle sechs Wochen kommt ein neuer hinzu, während das Regime unter Hochdruck daran arbeitet, Trägerraketen zu entwickeln. Mangels Kooperation der Schutzmacht China fehlte es Obama an echten Handlungsoptionen. Parallel lässt die Volksrepublik im Südchinesischen Meer die Muskeln spielen, was die Sicherheitsarchitektur in der Region nicht gerade stabilisiert.

Gewiss kann Obama auch Erfolge vorweisen. Allen voran das Atomabkommen mit Iran, das für das erste einen Nuklear-Wettlauf im Mittleren Osten verhindert hat. Fortschritte gab es auch bei der globalen Sicherung existierender Nuklearbestände und dem Abbau strategischer Arsenale durch neue Abkommen mit Russland.

Von der in Prag erstmals formulierten und nun in Hiroshima bekräftigten Vision einer Welt ohne Atomwaffen bleibt die Wirklichkeit aber weit entfernt; genauer gesagt rund 15.000 Sprengköpfe weit. Hinzu kommt eine in der Amtszeit Obamas beschlossene Modernisierung der amerikanischen Nuklearwaffen-Bestände, die über die kommenden zehn Jahre rund eine Billion (engl. Trillion) Dollar kosten wird.

Obamas Atomwaffen-Bilanz fällt gemischt aus. Kritiker wie der frühere Verteidigungsminister William Perry meinen, das Risiko eines Nuklearkriegs sei heute sogar größer als in den Tagen des Kalten Krieges. Der Präsident sollte nach seiner Rückkehr aus Hiroshima die verbleibenden Tage seiner Amtszeit nutzen, den wohl formulierten Worten weitere Taten folgen zu lassen. Es gibt wenig gute Gründe, hunderte Atomraketen unter Gefechtsbereitschaft zu halten. Eine mit Russland abgestimmte Demobilisierung könnte die Gefahr einer Eskalation aus Versehen minimieren ohne die nationale Sicherheit der USA und deren Verbündeten zu gefährden.

Dies wäre das Ausrufezeichen hinter einer Amtszeit, die mit guten Vorsätzen begann, denen sich die Realitäten immer wieder in den Weg stellten. 

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