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Aufatmen bei Sportvereinen : Für Amateur-Vertragsspieler gilt Mindestlohnregelung nicht

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Die Verunsicherung in den deutschen Sportvereinen ist groß. Gilt der Mindestlohn auch für Vertragsspieler und stehen unkalkulierbare Finanzprobleme ins Haus? Nein, stellt Arbeitsministerin Nahles klar.

shz.de von
erstellt am 23.Feb.2015 | 14:15 Uhr

Berlin | Amateur-Vertragsspieler im deutschen Sport fallen nicht unter die Mindestlohnregelung. Dies stellte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) am Montag in Berlin klar, nachdem es in den Vereinen erhebliche Verunsicherungen gegeben hatte. Die Vertragsspieler, die Vereinsmitglieder sein müssten, bekämen eine geringe Aufwandsentschädigung und seien in der Regel als Minijobber angemeldet. Die Vereinstätigkeit sei in aller Regel nicht der Hauptbroterwerb.

Was genau gilt bei einem Vertragsfußballer als Arbeitszeit? Um diese Kernfrage geht es. Seit Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes beschäftigte sie zahlreiche Sportvereine. Eine erschöpfende Antwort hatte bislang noch niemand. Beginnt das Training mit dem Umziehen oder dem Betreten des Trainingsplatzes? Beginnt die Arbeitszeit an einem Spieltag mit dem Betreten des Clubgeländes, dem Aufwärmen oder dem Anpfiff? Endet sie mit dem Abpfiff? „Und was ist mit einem Spieler, der in der 37. Minute die Rote Karte sieht?“ fragte der Vorsitzende des GSC-Wirtschaftsbeirates Folkert Bruns bewusst provokant. Beim Goslarer SC wurde zuletzt nur die vertraglich geschuldete Abwicklung der Pflichtspiele verlangt. Grund dafür sind „unübersehbare Risiken“ im Zuge des neuen Mindestlohngesetzes. Der Verein stellte sogar in Frage, ob er einen Lizenzantrag für die neue Saison stellen wird.

Nahles hatte sich zuvor mit den Spitzen von Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) und Deutschem Fußball-Bund (DFB) getroffen. DOSB-Präsident Alfons Hörmann sagte, diese Regelung betreffe auch die vielen Ehrenamtlichen in den Vereinen, die eine geringe Aufwandsentschädigung bekämen. Man habe eine Regelung für die praktische Arbeit vor Ort gefunden.

DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel betonte, die Regel, bei einem Minijob gelte der Mindestlohn, „gilt für Vertragsspieler nicht“. Solche Verträge sollten die Spieler an den Verein binden und hätten mit klassischen Arbeitsverhältnissen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nichts zu tun. Dies gelte im übrigen nicht nur für den Fußball, sondern für alle Sportarten mit Vertragsspielern. Im Fußballbereich gebe es rund 8800 solcher Spieler, die in der Regel um die 250 Euro Aufwandsentschädigung bekämen. Grindel unterstrich zugleich, Angestellte von Vereinen, wie hauptamtliche Platzwarte, fielen jedoch unter die Mindestlohnregelung.

Nahles zeigte sich nach dem Treffen sicher, dass nun die Unsicherheiten in den Vereinen ausgeräumt werden konnten. Der deutsche Sport lebe auch vom Engagement der Ehrenamtlichen. Hörmann machte deutlich, die 90.000 Vereine in Deutschland seien auf diese Menschen angewiesen.

„Ich freue mich über das hervorragende Ergebnis, das unser Schatzmeister Reinhard Grindel und DFB-Vizepräsident Rainer Koch im Dialog mit dem DOSB und der Politik für den deutschen Fußball erreicht haben. Für Spieler und die vielen Ehrenamtlichen an der Basis wurde eine praxisnahe Lösung gefunden, die ihr großes Engagement würdigt“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Der CDU-Sportpolitiker Eberhard Gienger sagte, die Vereinbarung sei sinnvoll und ein gangbarer Weg. Gerade in den unteren Spielklassen war die Verunsicherung groß. Die Spielergewerkschaft begrüßt dagegen den Mindestlohn. Viele Spieler verdienten in den unteren Ligen derzeit vier Euro pro Stunde, arbeiteten aber teilweise hundert Stunden und mehr im Monat unter Profibedingungen.

Nahles war insbesondere aus den Reihen des Koalitionspartners Union wiederholt aufgefordert worden, die Mindestlohnregelungen zu überprüfen. Ihr Ministerium begleite Einführung und Umsetzung des Mindestlohnes seit 1. Januar intensiv, hielt sie dagegen. Schwierigkeiten würden nicht ausgeklammert. Nahles sagte aber auch, Aufweichungen werde es nicht geben.

Aus diesem Grund betonte sie nach den Treffen mit den Sportverbandsspitzen auch, dass die Verständigung mit DOSB und DFB im Amateurvertragsbereich keine Korrektur ihres Gesetzes bedeute. Es handle sich um eine Klärung. Denn diese Regelungen seien schon in einem Protokoll des Arbeitsausschusses des Bundestages festgehalten worden. Und diese Protokollnotiz sei durchaus verbindlich.

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