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Extremismus : Führende griechische Neonazis bleiben in Haft

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Griechenland greift erstmals mit aller Härte gegen eine immer stärker werdende Neonazi-Szene durch: Die Justiz hat Haftbefehle gegen die Führung der rechtsradikalen Partei Goldene Morgenröte (Chrysi Avgi) erlassen.

shz.de von
erstellt am 29.Sep.2013 | 09:39 Uhr

Parteichef Nikolaos Michaloliakos (56) sowie vier weitere Abgeordnete und 15 Parteifunktionäre wurden am Samstag verhaftet. Am Sonntag stellte sich Chefideologe Christos Pappas - mit seinem rechten Arm zum Hitlergruß erhoben. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, sie hätten die Neonazi-Partei in eine kriminelle Vereinigung umgewandelt.

Die Führungsriege der Goldenen Morgenröte hat jetzt drei Tage lang Zeit, um ihre Verteidigung beim Haftprüfungstermin am Dienstag vorzubereiten, wie die Staatsanwaltschaft am Sonntag in Athen mitteilte.

Die Polizei sucht nach eigenen Angaben noch nach weiteren zehn Parteifunktionären. Den Neonazis werden außer der Bildung einer kriminellen Vereinigung noch Totschlag, Körperverletzung und Erpressung, illegaler Waffenbesitz, Sprengstoffanschläge sowie Geldwäsche zur Last gelegt.

Es ist das erste Mal seit Wiederherstellung der Demokratie in Griechenland im Jahr 1974, dass ein Parteichef verhaftet wurde. Die Verfassung bietet aber keine Möglichkeit, eine mit den Stimmen des Volkes ins Parlament gewählte Partei zu verbieten.

«Sie werden einen gerechten Prozess bekommen», sagte Justizminister Charalambos Athanasiou nach einem Treffen mit Regierungschef Antonis Samaras. Die griechische EU-Kommissarin Maria Damanaki erklärte in Brüssel, Griechenland habe demokratische Institutionen, die nach den Vorgaben des Gesetzes arbeiteten. «Die griechische Justiz erfüllt ihre Rolle», sagte sie weiter.

Die Vorwürfe gegen die Neonazis sollen auf Aussagen von Migranten, Opfern von Körperverletzungen sowie ehemaligen und aktiven Parteimitgliedern basieren. Außerdem habe der Nachrichtendienst (EYP) im Auftrag der Ermittler Telefongespräche der Funktionäre mitgeschnitten, hieß es.

Die Rechtsradikalen blieben weiterhin Abgeordnete, auch wenn sie inhaftiert seien, zitierten griechische Medien Juristen. Dies ändere sich erst, wenn sie in letzter Instanz verurteilt seien und ihnen die politischen Rechte entzogen würden. Dies könne Jahre dauern, hieß es.

Medien berichteten, im Haus des Parteiführers Michaloliakos seien ein Jagdgewehr, ein Revolver und eine Pistole sichergestellt worden, für die es keine Waffenscheine gebe, teilte ein Polizeisprecher mit.

Die per Haftbefehl gesuchten Männer wurden am Samstag ergriffen und in Handschellen zur Staatsanwaltschaft in Athen gebracht. «Es lebe Griechenland. Uns macht nichts Angst», schrie der Abgeordnete Ilias Kassidiaris. Parteichef Michaloliakos versuchte seine Hände hochzuheben, um seine Handschellen zu zeigen. «Hoch lebe die Goldene Morgenröte», rief er. Das Fernsehen übertrug die Szene live. Chefideologe Pappas habe gerufen: «Der Nationalismus wird siegen» und seinen rechten Armt zum Hitlergruß erhoben, berichteten Augenzeugen.

Rund 200 Anhänger versammelten sich am Samstag vor der Polizeidirektion und skandierten «Blut und Ehre, Goldene Morgenröte» sowie «Gauner, Verräter, Politiker». In einer per SMS verbreiteten Erklärung an die Presse kündigte die Partei an, sie werde den Kampf gegen das «korrupte System» des Landes fortsetzen. Alle anderen Parteien begrüßten das Vorgehen der Justiz. Allerdings warf die größte Oppositionspartei, das Bündnis der radikalen Linken, der Regierung vor, sie habe zu spät auf dieses neonazistische Phänomen reagiert.

Der Schlag gegen die Neonazi-Partei kommt gut eine Woche nach dem gewaltsamen Tod eines Rappers durch einen Rechtsradikalen in Piräus. Zudem war es in den vergangenen Monaten zu zahlreichen Überfällen mit rassistischem Hintergrund gekommen. Die Ombudsbehörde des Landes hatte vergangene Woche von vier Toten und fast 400 Verletzten berichtet. Die genaue Mitgliederzahl der Neonazi-Partei ist nicht bekannt. Die Rechtsradikalen hatten sich als Folge der schweren Staats- und Finanzkrise in dem Land bei den letzten Wahlen im Juni 2012 auf sieben Prozent der Stimmen verbessert. Die Partei zog mit 18 Abgeordneten in das 300 Sitze zählende Parlament in Athen ein. Nach letzten Umfragen könnte sie im Fall von Wahlen mit 13 Prozent der Stimmen sogar drittstärkste politische Kraft im Parlament werden.

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