Türkei : Freilassung von zwei „Cumhuriyet“-Journalisten aus U-Haft angeordnet

Chefredakteur Murat Sabuncu und Investigativjournalist Ahmet Sik dürfen das Hochsicherheitsgefängnis verlassen.

shz.de von
09. März 2018, 21:17 Uhr

Istanbul | Im Prozess gegen die regierungskritische Zeitung „Cumhuriyet“ hat ein türkisches Gericht die Freilassung von Chefredakteur Murat Sabuncu und Investigativjournalist Ahmet Sik angeordnet. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitagabend nach einer ganztägigen Verhandlung des Gerichts am Hochsicherheitsgefängnis Silivri bei Istanbul. Prozessbeobachter von Amnesty International berichteten, Herausgeber Akin Atalay bleibe in Untersuchungshaft. Der Prozess solle am 16. März fortgesetzt werden.

18 Mitarbeitern der Zeitung wird Unterstützung verschiedener Terrororganisationen vorgeworfen. Zuletzt saßen drei davon in Silivri in Untersuchungshaft. Sabuncu und Atalay waren vor mehr als 490 Tagen in U-Haft genommen worden, Sik vor mehr als 430 Tagen. Der Prozess war international als politisch motiviert kritisiert worden. Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen (ROG) drohen den Angeklagten bis zu 43 Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte am Freitag die Fortsetzung der U-Haft für alle drei Inhaftierte gefordert.

Bei den Terrorvorwürfen geht es um Unterstützung der Gülen-Bewegung, der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK oder der linksextremen DHKP-C. Die türkische Regierung macht den im Exil in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt der EU-Beitrittskandidat Türkei auf Platz 155 von 180 Ländern. Dutzende Journalisten sind im Gefängnis.

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