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Internationaler Frauentag : Frauen in Führungspositionen: Keine dummen Ausreden mehr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Frauen-Anteil in deutschen Chef-Etagen ist immer noch gering. Das ist unwürdig. Ein Kommentar von Brigitte Scholtes.

shz.de von
erstellt am 08.Mär.2016 | 11:19 Uhr

Die klassische Antwort auf den Anteil von Frauen in Führungspositionen lautet immer noch: Es gibt zu wenige. Das mag – vor allem in den naturwissenschaftlichen Fachrichtungen und in den übrigen „klassischen“ Männerdomänen – noch so sein. Aber dass Deutschland anderen Ländern hinterherhinkt in puncto Frauenanteil, ist mehr als beschämend. Es ist ein strukturelles und ein kulturelles Problem, das Frauen immer noch den Weg an die Spitze verstellt. Strukturell, weil immer noch Frauen den größten Teil der Familienarbeit übernehmen und sie beruflich zunächst kürzertreten. Von einer Teilzeit- in eine Vollzeitposition zurückzukehren ist aber sehr schwierig, auch wenn es Bemühungen gibt, die Kinderbetreuung besser zu organisieren.

Und kulturell ist das Problem, weil in den meisten Unternehmen immer noch Männer regieren. Die machen sich ihre an den eigenen Interessen ausgerichteten Regeln. Vor allem die Manager der obersten Führungsebenen kennen sowohl aus ihrem Umfeld oft nur die Situation, dass Frauen ihnen zuarbeiten oder familiär den Rücken freihalten. Warum sollte man(n) diese Spielregeln also ändern, wenn sie zum eigenen Vorteil gereichen? Das ist aus männlicher Sicht nicht einzusehen. Deshalb müssen Frauen um Anerkennung kämpfen. Zunächst darum, dass sie einen eigenständigen Lebensunterhalt haben und nicht abhängig sind von einem Mann – seien es Vater, Bruder oder Lebenspartner. Die Abhängigkeit von Frauen prägt aber immer noch unsere Sozialgesetzgebung. Das muss sich ändern. Zum Zweiten, dass sie gleich viel verdienen wie Männer. Dass das immer noch nicht so ist, ist unwürdig.

Zum Dritten schließlich: Frauen arbeiten anders, sie sind weniger risikoorientiert, aber dafür teamfähiger und empathischer. Dass dies auch einem Unternehmen zugutekommt, das ist inzwischen hinlänglich erwiesen. Zuletzt hatte der Index-Anbieter MSCI dies nachgewiesen: Konzerne, in deren Vorstand mindestens drei Frauen sitzen, erwirtschaften durchschnittlich gut 10 Prozent Gewinn pro Aktie, gut ein Drittel mehr als die ohne Frauen im Vorstand. Mehr Frauen in Führungspositionen, das täte deshalb nicht nur den Frauen gut, sondern den Unternehmen und der gesamten Wirtschaft. Deshalb: Frauen, bitte akzeptiert keine dummen Ausreden mehr!

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