zur Navigation springen

Guadeloupe und Martinique : Frankreich-Wahl startet in der Karibik – Hohe Sicherheitsvorkehrungen

vom

Die aussichtsreichsten Kandidaten stellen die EU infrage - deshalb gilt die Wahl als Richtungsentscheidung für Europa.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2017 | 18:47 Uhr

Paris | Frankreich wählt seinen neuen Staatschef - und Europa hält den Atem an: Die Wahl des französischen Präsidenten hat in einigen französischen Überseegebieten bereits am Samstag begonnen. Wegen der Zeitverschiebung wählen die Menschen etwa auf den Karibikinseln Guadeloupe und Martinique schon einen Tag früher als der Großteil der Franzosen.

Die Abstimmung gilt als Richtungsentscheidung für die Europäische Union, weil die Rechtspopulistin Marine Le Pen ihr Land bei einem Sieg aus dem Euro führen will und ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft plant.

Nach den Terroranschlägen der vergangenen Jahren findet die Wahl erstmals unter den Bedingungen des Ausnahmezustands statt, mehr als 50.000 Polizisten und 7000 Soldaten sollen die Abstimmung schützen. Insgesamt können 47 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben.

Die entscheidende Stichwahl zwischen den beiden stärksten Kandidaten ist am 7. Mai geplant. In Europa richtete sich das Interesse vor allem auf das Abschneiden Le Pens sowie auf den Linksaußen-Kandidaten Jean-Luc Mélenchon, der ebenfalls heftig Brüssel attackiert. Bei einem Sieg einer der beiden drohen der EU schwere Turbulenzen.

In Umfragen für den ersten Wahlgang lag der pro-europäische Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron zuletzt knapp vor oder auf Augenhöhe mit Le Pen. Aber auch der Konservative François Fillon und Mélenchon können sich Hoffnungen machen, sich für das Endduell zu qualifizieren.

 

Die ersten Wahllokale öffneten am Samstag um 12 Uhr deutscher Zeit auf der Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Ostküste. In Französisch-Polynesien im Pazifik waren die Wähler ebenfalls schon am Samstag zur Wahl aufgerufen, zudem konnten auch Auslandsfranzosen in Nord-, Mittel- und Südamerika abstimmen. In Französisch-Guyana in Südamerika hatte die Regierung kurz vor dem Wahltag eine Einigung mit einer Protestbewegung erzielt, die das Gebiet seit Wochen blockiert hatte. Die Einigung sehe vor, alle Straßensperren sofort aufzuheben, teilte Premierminister Bernard Cazeneuve mit, und rief die Bevölkerung zu einer massiven Beteiligung an der Wahl auf.

Nach dem Schock über das Brexit-Votum und die US-Wahl rechnet EU-Kommissar Maros Sefcovic mit dem Sieg eines europafreundlichen Kandidaten in Frankreich. „Nach all der Unsicherheit, die diese Abstimmungen brachten, werden die französischen Wähler weise entscheiden und die europäische Zusammenarbeit weiter mittragen“, sagte der aus Slowakei stammende Sefcovic der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel.

Der offizielle Wahlkampf war am Freitagabend zu Ende gegangen. Mehrere Kandidaten hatten wegen der Pariser Terrorattacke letzte Auftritte oder Kundgebungen abgesagt. Ein 39-Jähriger hatte am Donnerstagabend in Paris mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr auf Polizisten geschossen und einen Beamten getötet. Zwei weitere Beamte und eine deutsche Passantin wurden verletzt. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Bluttat für sich.

Drei Personen aus dem Umfeld des Täters blieben zunächst in Polizeigewahrsam. Auch die beiden zu Wochenbeginn in Marseille festgenommenen Männer, die laut Behörden vor der Wahl einen Anschlag verüben wollten, wurden weiter festgehalten. Das bestätigten Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur.

Am Pariser Nordbahnhof nahmen Polizisten am Samstag einen Mann fest, der sich ihnen mit einem Messer in der Hand genähert hatte. Es habe keine Gewalttätigkeiten und keine Verletzten gegeben, der Bahnhof sei weiter geöffnet, sagte ein Sprecher der Bahngesellschaft SNCF. Es gebe keine Hinweise auf eine terroristisch motivierte Tat. Während der Festnahme seien aber einige Umstehende in Panik geraten und weggelaufen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen