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Bundespräsident im Interview : Frank-Walter Steinmeier: Flüchtlings-Integration könnte Jahrzehnte dauern

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Die Eingliederung der vielen Migranten sei keine leichte Aufgabe, macht der Bundespräsident deutlich - und zwar für Einheimische wie neue Bürger.

shz.de von
erstellt am 23.Jul.2017 | 15:58 Uhr

Berlin | Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zu Realismus und einem langen Atem bei der Integration der Flüchtlinge in Deutschland aufgerufen. „Wir müssen vor allen Dingen den Menschen sagen, dass das eine Riesen-Aufgabe ist, die uns möglicherweise Jahrzehnte beanspruchen wird“, sagte das Staatsoberhaupt im ZDF-Sommerinterview. Migranten würden Hilfen angeboten, um in der deutschen Gesellschaft tatsächlich anzukommen. Damit verbunden sei aber auch die Erwartung: „Respektiert unsere Tradition und respektiert vor allen Dingen die Regeln, die in diesem Lande gelten.“

Steinmeier warb um Verständnis für unterschiedliche Sichtweisen bei dem Thema. „Nicht das eine oder das andere ist alleine moralisch richtig.“ Dabei sollte eine Polarisierung vermieden werden, dass die einen sagen, die Integration sei kein Problem - und andere nur über Probleme redeten. Steinmeier bezog sich in diesem Zusammenhang auch direkt auf seinen Vorgänger Joachim Gauck, der im Herbst 2015 gesagt hatte: „Unser Herz ist weit, doch unsere Möglichkeiten sind endlich.“ Der Präsident rief die Bürger generell zum Einsatz für die Demokratie auf. Er sehe keinerlei Anlass für Alarmismus. „Aber ich warne etwas davor, sich in Selbstzufriedenheit zurückzulehnen.“ Auch Deutschland sei nicht ganz frei von Tendenzen in anderen Ländern, wo Demokratie angefochten werde und es „eine Faszination des Autoritären“ gebe.

Trotz Irritationen über den Kurs von US-Präsident Donald Trump warnte Steinmeier vor einer Abkehr von den Vereinigten Staaten. „Wir haben jedenfalls keinen Anlass, uns in irgendeiner Form moralisch zu erheben“. Die deutsche Demokratie bestünde ohne die Amerikaner nicht.„Insofern rate ich uns, nicht alles über Bord zu werfen, wenngleich ich zugebe, irritiert bin ich auch über vieles.“ Am stärksten zeige sich dies darin, dass es in der Geschichte der transatlantischen Beziehungen nie so viel Ungewissheit gegeben habe wie gegenwärtig.

In seiner neuen Funktion sei er angekommen, machte der ehemalige Außenminister deutlich. „Auch wenn die Umstellung etwas größer war, als ich vielleicht selbst, mit Respekt vor dem Amt, erwartet habe.“ Steinmeier war am 12. Februar zum Bundespräsidenten gewählt worden.

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