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Politik

13. Dezember 2017 | 01:28 Uhr

Foltern mit Musik

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2014 | 11:37 Uhr

Auf den ersten Blick hat es den Anschein, es handele sich um einen makabren Scherz. Aber mit Guantánamo macht man keine Scherze. Der kanadischen Rockband Skinny Puppy geht es auch bestimmt nicht um Geld oder einen PR-Gag. Die Musiker wollen vielmehr daran erinnern, dass in dem berüchtigtsten Gefangenenlager der Welt Menschen nicht nur wie Tiere gehalten, sondern auch noch gequält werden. Indem sie Musik hören müssen, die sie nicht hören wollen. Lautstark und ununterbrochen. Darunter auch Stücke von Skinny Puppy. Die Band kann diese besonders fiese Art der Folter nicht verhindern, aber nun ist sie auf eine geistreiche Idee gekommen: Sie schickt der amerikanischen Regierung eine Rechnung für das unerlaubte Abspielen urheberrechtlich geschützter Musikstücke. Das wird im Weißen Haus beziehungsweise bei den für Folterung und Abhören zuständigen Geheimdiensten bestimmt für Verwirrung sorgen. Pingelige Beamte werden prüfen, aus welchem Etat die geforderten Gelder zu entnehmen sind. Ist es noch Kultur? Oder doch schon Justiz? Muss überhaupt gezahlt werden? Bei einer Ablehnung könnte der Fall vor Gericht landen und zu einem weitreichenden Grundsatzurteil führen. Muss die Regierung zahlen, dann könnte es sein, dass auch unbescholtene Bürger, die ungewollt mit Rockmusik beschallt werden, von Folter sprechen und Schmerzensgeld fordern. Die von den dürren Puppys beabsichtigte Kritik an den Zuständen in Guantánamo könnte aber auch den Befürwortern des Lagers in die Hände spielen und zu dem Argument führen: Wenn schon Musik Folter genannt wird, scheint es ein recht fideles Gefängnis zu sein.

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