Wieder ein Toter : Flüchtlinge in Calais: Großbritannien will Eurotunnel besser sichern

Tausende Flüchtlinge wollen nach England. Knapp 10 Millionen Euro sollen für die Sicherheit am Tunnel-Eingang fließen.

shz.de von
29. Juli 2015, 08:49 Uhr

London/Calais | Die britische Regierung ist alarmiert über die Flüchtlingssituation im nordfranzösischen Calais und will zusätzliche Millionen für die Sicherheit des Tunnels unter dem Ärmelkanal ausgeben. In der Nacht zum Mittwoch starb erneut ein Mensch beim Versuch, durch den Kanal nach Großbritannien zu gelangen, wie der Tunnelbetreiber Eurotunnel am Mittwoch mitteilte. Hunderte versuchten die zweite Nacht in Folge, die Grenze zu überqueren. Die Lage sei „sehr besorgniserregend“, sagte Premierminister David Cameron am Mittwoch während eines Besuchs in Singapur.

Seit Wochen versuchen Migranten, durch den Tunnel von Calais nach Großbritannien zu kommen, wo sie sich bessere Chancen auf Asyl und bessere Lebensbedingungen erhoffen. Es gab dabei in den vergangenen Wochen bereits mehrere tödliche Unfälle. Bis zu 5000 Flüchtlinge sind nach britischen Angaben in Calais auf dem Weg nach England gestrandet.

Innenministerin Theresa May kündigte an, 7 Millionen Pfund (9,9 Mio Euro) zusätzlich bereitzustellen, um die Sicherheit am Eingang des Tunnels auf der französischen Seite zu erhöhen.

May sagte am Dienstagabend, es habe ein „sehr konstruktives“ Treffen mit französischen Regierungsvertretern gegeben, Paris habe ebenfalls zusätzliche Mittel zugesagt. Eine Sicherheitszone für Lastwagen auf dem Weg nach Großbritannien, die auf französischer Seite warten müssen, hatte sie bereits angekündigt. Dafür soll am Bahnhof in Coquelles bei Calais ein zusätzlicher Sicherheitszaun gebaut werden.

Die Flüchtlinge versuchen, auf wartende Lastwagen oder direkt auf die Züge zu klettern, die durch den Tunnel fahren. Ein Sprecher des Londoner Innenministeriums sagte, Frankreich und Großbritannien hätten sich geeinigt, insbesondere Migranten aus Westafrika zurück in ihre Heimatländer zu schicken.

Vergangene Woche hatte der Betreiber des Eisenbahntunnels unter dem Ärmelkanal, Eurotunnel, von Frankreich und Großbritannien 9,7 Millionen Euro für den Schutz vor Migranten in Calais verlangt, die nach England wollen.

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