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Nach Brandanschlag in Tröglitz : Feuer in Asylbewerberheim: Polizei befragt Anwohner

vom

Die Ermittlungsarbeit der Polizei ist mühsam. Beamte gehen in Tröglitz von Tür zu Tür und fragen nach Hinweisen.

Tröglitz | Vier Tage nach dem Brandanschlag auf eine geplante Asylbewerberunterkunft in Tröglitz hat die Polizei am Mittwoch die Einwohner nach Hinweisen auf die Brandstifter befragt. Polizeibeamte zogen vom Nachmittag an Nachmittag von Tür zu Tür - auf den Straßen waren kaum Leute unterwegs. Das Landeskriminalamt wollte sich zu Ermittlungsergebnissen nicht äußern. Es sei noch zu früh, sagte ein Sprecher in Magdeburg.

Die Polizei ermittelt nach dem Anschlag auf ein Wohnhaus, in das im Mai 40 Asylbewerber einziehen sollten, wegen schwerer Brandstiftung. Es war Brandbeschleuniger verwendet worden. Am Dienstag wurde eine Prämie von 20.000 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Aufklärung der Tat vom Samstag führen soll. In Tröglitz mit seinen rund 2700 Einwohnern hatten Rechtsextreme seit Monaten Stimmung gegen die Asylbewerber gemacht. Wegen der Anfeindungen und aus seiner Sicht mangelnder Unterstützung trat im März Bürgermeister Markus Nierth (parteilos) zurück. Gegen alle Proteste der rechten Szene halten das Land und der zuständige Burgenlandkreis daran fest, in dem Ort 40 Asylbewerber unterzubringen.

Der evangelische Regionalbischof von Halle-Wittenberg, Propst Johann Schneider, berichtete von einer hasserfüllten Atmosphäre in Tröglitz. Im Ort will er einen wachsenden Widerstand gegen Ausländer beobachtet haben. Im Gespräch mit der Tageszeitung „Die Welt“ erinnerte Schneider auch an die NS-Geschichte des Ortes. Tröglitz sei keine gewachsene Gemeinde, sondern als Arbeitersiedlung gebaut worden und zudem eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald gewesen. „Zu NS-Zeiten sagte man den Leuten, dass sie die bessere Rasse sind, in der DDR dann, dass sie in der besseren Gesellschaft leben“, fügte er hinzu. „Ich habe eine Mischung aus Neid und kultiviertem Hass wahrgenommen“, sagte Schneider. „Es ist eine Kultur der Abwertung am Werk.“

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) betonte dagegen im Sender WDR5, ein großer Teil der Tröglitzer sei sehr wohl weltoffen. Bis zum Zeitpunkt des Brandanschlages habe es beispielsweise Netzwerke gegeben, die ein Integrations-Café geplant hätten.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) setzt auf eine starke Bürgergesellschaft zum Schutz von Flüchtlingen. „Meiner Meinung nach ist Tröglitz nicht überall“, sagte de Maizière. Man dürfe die Sorgen der Menschen nicht kleinreden und müsse entschlossen gegen alle vorgehen, die Gewalt ausüben, sagte er bei einem Besuch des Technischen Hilfswerkes in Erfurt. „Wir wissen um unsere Verantwortung.“ Aktionspläne seien jetzt nicht so gefragt wie gutes handfestes Arbeiten von Bürgermeistern, Initiativen und den Menschen vor Ort. „Die Bürgergesellschaft ist sehr stark.“  Zuvor hatte der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, mit Blick auf eine steigende Zahl von Übergriffen auf Flüchtlingsheime gesagt: „Tröglitz ist überall.“

De Maizière erinnerte daran, dass Deutschland im vergangenen Jahr 200.000 Flüchtlinge aufgenommen habe. In diesem Jahr würden es um die 300.000 oder mehr. „Wir sind das Land mit den meisten Asylanträgen weltweit.“ Ein Drittel der Asylanträge in Europa würden in Deutschland gestellt - „und wir haben das geschultert“. Dies geschehe allerdings „mit Ach und Krach und teilweise auch mit Streit“. Zugleich betonte der Innenminister: „Wir werden nicht denen recht geben, die daraus rechtsextremes Kapital schlagen wollen.“

Wo leben die meisten Asylbewerber in Deutschland?

  Bundesland Quote
1. Nordrhein-Westfalen 21,24%
2. Bayern 15,33%
3. Baden-Württemberg  12,97%
4. Niedersachsen 9,35%
5. Hessen 7,31%
6. Sachsen 5,10%
7. Berlin 5,04%
8. Rheinland-Pfalz 4,83%
9. Schleswig-Holstein 3,39%
10. Brandenburg 3,08%
11. Sachsen-Anhalt 2,86%
12. Thüringen 2,75%
13. Hamburg 2,53%
14. Mecklenburg-Vorpommern 2,04%
15. Saarland 1,22%
16. Bremen 0,94%
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erstellt am 08.Apr.2015 | 16:45 Uhr

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