Kommentar : Festnahme von Carles Puigdemont: „Ein einzigartiges, absurdes und trauriges Schauspiel“

In Schleswig-Holstein festgenommen: Carles Puigdemont befindet sich derzeit in der JVA Neumünster.

In Schleswig-Holstein festgenommen: Carles Puigdemont befindet sich derzeit in der JVA Neumünster.

Ausgerechnet im deutsch-dänischen Grenzland wird ein Politiker festgenommen, der für Minderheitenrechte kämpft.

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25. März 2018, 18:27 Uhr

Es war ein tiefer Seufzer, der vor knapp zwei Jahren dem damaligen Bundesaußenminister entfuhr: „Die Welt ist aus den Fugen geraten“, stöhnte Frank-Walter bei einer Diskussion über Friedensethik im 21. Jahrhundert. Wohl wahr. Und die Fugen werden sogar immer breiter: Am Sonntag verhafteten am Rande der A7 deutsche Polizisten einen spanischen Politiker, der der Rebellion bezichtigt wird. Einen solchen Straftatbestand gibt es bei uns überhaupt nicht, sehr wohl aber die Verpflichtung, europäische Haftbefehle zu vollziehen. Den braven schleswig-holsteinischen Beamten blieb also gar nichts anderes übrig, als Carles Puigdemont festzunehmen.

Der abgesetzte katalanische Regionalpräsident sitzt nun in einem deutschen Gefängnis, kommt am Montag vor den Richter. In Barcelona gibt es Demonstrationen vor der deutschen Vertretung. Deutschland steckt in der Zwickmühle: Ausgerechnet im deutsch-dänischen Grenzland, wo Minderheitenrechte hoch gehalten werden und man sehr viel Verständnis für regionale Besonderheiten, Sprachen und Brauchtum hat, wird ein Mann festgesetzt, der nichts anderes für seine stolze Region in Anspruch nehmen will.

Das ist Europa im 21. Jahrhundert – ein einzigartiges, absurdes und trauriges Schauspiel.

Stefan Hans Kläsener ist Chefredakteur unserer Zeitungen.

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