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Durchsuchung in Hamburg-Wandsbek : Festgenommener Syrer hatte Kontakt zu „Soldaten des Kalifats“

vom

Ein Islamist hatte nach Angaben der Bundesanwaltschaft mit der Beschaffung von Bauteilen für einen Sprengsatz begonnen.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2017 | 21:13 Uhr

Karlsruhe/Schwerin | Der in Schwerin unter Terrorverdacht festgenommene Syrer hatte nach Angaben der Bundesanwaltschaft über das Internet Kontakt zu einer Person, die sich selbst als „Soldat des Kalifats“, also als Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), bezeichnete. „Wir wissen aber nicht, wer diese Person ist, und wir wissen nicht, ob er ihn (den Festgenommenen) in seinen Plänen bestärkt hat“, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler, am Dienstag in Karlsruhe.

Deshalb werde gegen den Syrer zunächst nicht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt, sondern wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat, sagte Köhler.

 

Im Zusammenhang mit der Festnahme eines Syrers in Schwerin wird ein Zeuge aus Hamburg verhört. Bei einem Einsatz des Bundeskriminalamtes in Hamburg-Wandsbek habe es am frühen Dienstagmorgen keine Festnahme gegeben, hieß es aus Polizeikreisen. Es handele sich um einen Zeugen, der vernommen werde. Der Einsatz sei ebenso wie in Schwerin um 6 Uhr morgens erfolgt.„Das ist richtig. Es hat Durchsuchungen in Hamburg gegeben. Wir haben Amtshilfe geleistet für das BKA“, bestätigte Polizeisprecher Ulf Wundrack am Dienstag. Dienstagmittag äußerte sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière zu der Festnahme.

Ein Syrer war zuvor in Schwerin wegen des dringenden Verdachts auf Vorbereitung eines islamistisch motivierten Sprengstoffanschlags festgenommen worden. Das teilte die Bundesanwaltschaft am Dienstagmorgen mit. Die Festnahme ist offenbar langfristig geplant worden. Bei dem Anti-Terror-Einsatz seien zeitgleich drei Wohnungen in einer Plattenbau-Siedlung im Schweriner Stadtteil Neu Zippendorf durchsucht worden, wie ein Polizeisprecher in Schwerin sagte. Demnach befanden sich die Wohnungen in unmittelbarer Nähe zueinander.

Foto: dpa

Es waren Einsatzkräfte des Bundeskriminalamts (BKA), Landeskriminalamts (LKA) sowie die Schweriner Landespolizei an den Durchsuchungen beteiligt. In den drei Wohnungen hielten sich nach Angaben des Polizeisprechers mehrere Personen auf. Weitere Menschen seien aber nicht festgenommen worden. Es bestehe keine akute Bedrohung für die Bevölkerung, betonte der Sprecher.

 

Nach den bisherigen Ermittlungen ist der 19-jährige Beschuldigte dringend verdächtig, einen islamistisch motivierten Anschlag mit hochexplosivem Sprengstoff in Deutschland geplant und bereits konkret vorbereitet zu haben. Der junge Mann war offenbar schon länger im Visier der Behörden. Bereits im Juli 2017 habe er den Entschluss gefasst, in Deutschland einen Sprengsatz zu zünden, um eine möglichst große Anzahl von Personen zu töten und zu verletzen.

Einsatzkräfte in der Pankower Straße in Schwerin.
Einsatzkräfte in der Pankower Straße in Schwerin. Foto: Lisa Kleinpeter
 

Seit Juli habe er mit der Beschaffung von Bauteilen und Chemikalien begonnen, die für die Herstellung eines Sprengsatzes benötigt werden. Ob der Beschuldigte bereits ein konkretes Ziel für seinen Sprengstoffanschlag ins Auge gefasst hatte, sei noch unklar. Hinweise auf eine Einbindung des Beschuldigten in eine terroristische Vereinigung hatte die Bundesanwaltschaft zunächst nicht.

Hintergrund: Anschläge und vereitelte Pläne radikalisierter junger Männer in Deutschland:

Februar 2017

Wegen des Verdachts, einen islamistischen Anschlag in Deutschland geplant zu haben, wird ein 21 Jahre alter Mann aus Baden-Württemberg festgenommen. Seit September muss er sich vor dem Landgericht Karlsruhe verantworten. Der Angeklagte soll im Internet Anschlagsabsichten geäußert und nach einer Waffe gesucht haben.

Januar 2017

In Wien wird ein 17 Jahre alter Österreicher mit Migrationshintergrund festgenommen, weil er einen Anschlag auf die Wiener U-Bahn geplant haben soll. Die Spuren führen auch nach Deutschland: Der 17-Jährige soll hier eine Testbombe gebaut haben.

In Neuss wird zudem ein 21-Jähriger festgenommen, der dem Verdächtigen aus Österreich bei den Vorbereitungen geholfen haben soll. Bei dem 21-Jährigen finden die Ermittler jedoch keine eindeutigen Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag.

Dezember 2016

Die Staatsanwaltschaft Köln erhebt Anklage gegen einen 16 Jahre alten syrischen Kriegsflüchtling. Der im September festgenommene Jugendliche soll einen Anschlag geplant haben. Er soll von einem Chatpartner im Ausland mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Anleitungen zum Bombenbau erhalten haben.

Oktober 2016

Die Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen einen seit März in Untersuchungshaft sitzenden 19-jährigen Syrer. Er steht im Verdacht, Anschlagziele für den IS in Berlin ausgekundschaftet zu haben.

September 2016

In Norddeutschland werden ein 17-, ein 18- und ein 26-Jähriger in Flüchtlingsunterkünften festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen vor, im Auftrag des IS nach Deutschland gekommen zu sein.

Juli 2016

Ein mit einer Axt und einem Messer bewaffneter 17-Jähriger geht in einer Regionalbahn bei Würzburg auf Fahrgäste los. Fünf Menschen werden verletzt. Polizisten erschießen den Attentäter, der sich in einem Video als Kämpfer des IS bezeichnete.

Er kam als Flüchtling nach Deutschland und gab sich als Afghane aus.

April 2016

Bei einem Bombenanschlag auf einen Tempel der indischen Sikh-Religion in Essen werden drei Menschen verletzt. Gegen drei in Deutschland geborene muslimische Jugendliche ist im Dezember ein Prozess wegen versuchten Mordes eröffnet worden. Die damals 16 Jahre alten Angeklagten sollen das Attentat aus islamistischen Motiven begangen haben. Ein 18-Jähriger, der an der Vorbereitung beteiligt war, wurde bereits zu zweieinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt.

Februar 2016

Bei einer Kontrolle am Hauptbahnhof Hannover verletzt eine damals 15-jährige Deutsch-Marokkanerin einen Bundespolizisten lebensgefährlich mit einem Messer. Seit Oktober muss sich die radikalisierte Schülerin vor Gericht verantworten. Die Tat sei eine „Märtyreroperation“ für den IS gewesen, so die Anklage.

 

 

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