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Deutsch-dänisches Verkehrsprojekt : Fehmarnbelt-Tunnel: Die Einweihung 2022 wackelt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Planungen kommen nicht recht voran, trotzdem gibt es einen Hoffnungsschimmer: Der Bau könnte günstiger werden.

Kiel | Dänemarks Verkehrsminister Magnus Heunicke stellt in Frage, dass die Fehmarnbelt-Querung wie geplant 2021/22 fertig wird. Es gebe „eine Reihe von Herausforderungen, die wir geklärt haben müssen, wenn der Zeitplan eingehalten werden soll“, sagte der sozialdemokratische Politiker dem sh:z. Dazu zählt Heunicke zu hohe Preisvorstellungen der Baukonsortien, den unklaren Umfang der EU-Zuschüsse und die behördliche Baugenehmigung aus Deutschland.

Genau diese Themen standen am Dienstag bei einem Treffen mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in Berlin auf dem Programm. Das Ergebnis: Deutschland und Dänemark wollen angesichts von Verzögerungen und Kostensteigerungen beim geplanten Ostsee-Tunnel zwischen beiden Ländern den weiteren Zeitplan genauer klären. Die bisher für 2021 geplante Fertigstellung könnte sich dadurch tatsächlich verschieben.

In den nächsten sechs Monaten sollen dazu genauere Daten erarbeitet werden, wie Dobrindt im Anschluss an das Gespräch sagte. Details sollen beim nächsten Treffen der Minister in sechs Monaten in Kopenhagen vorliegen. Bis dahin soll die Deutsche Bahn auch ein Konzept für den Güterverkehr über die bestehende nicht-elektrifizierte Strecke erarbeiten. Insbesondere zur Planung der deutschen Hinterlandanbindung hatte sich Heunicke belastbare Informationen erhofft. Die Belt-Querung befinde sich in einer „entscheidenden Phase“, in der „die Risiken größer geworden“ seien.

Heunicke sagte außerdem, es bestehe die Möglichkeit, mehr Zeit für den Bau des Tunnels zu gewinnen, um Preise nach unten verhandeln zu können. Alle Angebote von Konsortien lägen über dem bisher vorgesehenen Niveau. Dänemark will den Bau des 18 Kilometer langen Fehmarnbelt-Tunnels von der dänischen Insel Lolland allein übernehmen und erwartet inzwischen Kosten von 7,4 Milliarden Euro.

Dobrindt betonte, die Fehmarnbeltquerung habe höchste Priorität. Beide Seiten unternähmen alles, sie zu realisieren. „Von daher ist ein Scheitern ausgeschlossen.“ Heunicke sagte, bei diesem längsten Absenktunnel der Welt könnten Probleme auftauchen. Sie müssten gelöst werden.

Seinen schleswig-holsteinischen Ressortkollegen Reinhard Meyer hat der dänische Minister Heunicke bereits am Montag telefonisch darüber informiert, dass Dänemark die derzeit auf 6,6 Milliarden Euro bezifferten Baukosten herunterhandeln möchte. Meyer äußert „Verständnis, dass sich die Dänen den Konsortien nicht nach dem Prinzip ‚Friss Vogel oder stirb‘ ausliefern“.

Zum Zeitplan des vom Land betriebenen Planfeststellungsverfahrens gibt Meyers Ministerium allerdings keine Prognose ab. Der Fortgang hänge davon ab, bis wann die dänische Planungsgesellschaft Femern AS die 3000 Einwendungen gegen das Projekt abarbeite. Femern AS lässt dazu jegliches Datum offen, sondern erklärt nur, die Bearbeitung geschehe „mit Hochdruck“.

Die Wirtschaft pocht für mehr Wachstum und Beschäftigung weiter auf einen zügigen Bau der Querung. „Leider werden die Dänen gerade von der europäischen und deutschen Realität eingeholt“, stellt UVNord-Präsident Uli Wachholtz fest. „Keine eindeutige Zusage über Zuwendungen aus Brüssel, Kostensteigerungen und bedauerlicherweise nur schleppend vorankommende Planungsverfahren auf deutscher Seite bremsen die Dänen aus. Wieder einmal zeigt es sich, dass wir in Deutschland unser Planverfahren modernisieren müssen.“

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erstellt am 24.Feb.2015 | 15:05 Uhr

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