Dreikönigstreffen 2015 : FDP: Mit neuem Logo zum Comeback

Beim Dreikönigstreffen werden neue Farben präsentiert. FDP-Chef Lindner rechnet mit „Pegida“ und AfD ab – und erinnert an ein Versprechen.

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06. Januar 2015, 10:44 Uhr

Stuttgart | Farbenfroh im Überlebenskampf: Die FDP hat beim Dreikönigstreffen in Stuttgart ein neues Parteilogo enthüllt, das neben den traditionellen Farben Gelb und Blau nun auch Magenta umfasst. Mit der frischen Optik wollen die Liberalen 15 Monate nach dem Bundestags-Rauswurf moderner und sympathischer wirken.

Am Dienstag wurde nach der Rede von Parteichef Christian Lindner in der Staatsoper auf einer großen Videoleinwand wechselweise der Schriftzug „Freie Demokraten“ in gelb und blau eingeblendet, dazu die Buchstaben FDP in weiß auf einem purpurfarbenen Balken.

Christian Lindner, der Vorsitzende der FDP, im Stuttgarter Opernhaus beim traditionellen Dreikönigstreffen der Partei. Im Hintergrund das neue Logo der Partei.
dpa
Christian Lindner, der Vorsitzende der FDP, im Stuttgarter Opernhaus beim traditionellen Dreikönigstreffen der Partei. Im Hintergrund ist das neue Logo zu sehen.
 

„Gelegentlich muss man mal die Tapeten wieder neu streichen oder überkleben, um festzustellen, in was für einer tollen Wohnung man lebt“, sagte der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki.

Vor der Veröffentlichung wurde bereits auf Twitter über das neue Logo und die Zukunft der Partei diskutiert:

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Was an der <a href="https://twitter.com/hashtag/fdp?src=hash">#fdp</a> ist jetzt neu? Was man in jüngster Zeit hörte ist dieselbe Wirtschaftsvergötterung wie eh und je. Aber jetzt halt mit pink..</p>&mdash; . (@Rezisto) <a href="https://twitter.com/Rezisto/status/552404129780629505">6. Januar 2015</a></blockquote>

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p><a href="https://twitter.com/SWRinfo">@SWRinfo</a> <a href="https://twitter.com/tagesschau">@tagesschau</a> Zu den neuen Farben der FDP, mein Kommentar: Freie Demokratische Partei, sponsored by Deutsche Telekom. <a href="https://twitter.com/hashtag/FDP?src=hash">#FDP</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Magenta?src=hash">#Magenta</a></p>&mdash; Richard Di Biase (@bundesautobahn7) <a href="https://twitter.com/bundesautobahn7/status/552403794991280128">6. Januar 2015</a></blockquote>

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Neulich bei der FDP: Wir machen das mit den Fähnchen... in Magenta. <a href="https://twitter.com/hashtag/nullinhalte?src=hash">#nullinhalte</a></p>&mdash; hassenichgesehen (@Heynoon) <a href="https://twitter.com/Heynoon/status/552403621149962241">6. Januar 2015</a></blockquote>

Die „Bild“-Zeitung hatte das vermeintliche neue Logo online bereits veröffentlicht und via Twitter kommuniziert:

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>BILD zeigt das neue FDP-Logo.&#10;<a href="http://t.co/eEgLdTfDzY">http://t.co/eEgLdTfDzY</a> <a href="http://t.co/0Evz1eTC3z">pic.twitter.com/0Evz1eTC3z</a></p>&mdash; BILD (@BILD) <a href="https://twitter.com/BILD/status/552214835719843840">5. Januar 2015</a></blockquote>

Doch bei dem gezeigten Logo handelte es sich nicht um die finale Version. Das sagte FDP-Sprecher Nils Droste „Horizont Online“.

Das Ganze lud diesen Twitterer zu folgender kreativen Idee ein:

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Die <a href="https://twitter.com/hashtag/FDP?src=hash">#FDP</a> hat jetzt das neue <a href="https://twitter.com/hashtag/BILD?src=hash">#BILD</a>- <a href="https://twitter.com/hashtag/Logo?src=hash">#Logo</a> enthüllt. <a href="http://t.co/IfoSIWbuhu">pic.twitter.com/IfoSIWbuhu</a></p>&mdash; Lars Wienand (@LarsWienand) <a href="https://twitter.com/LarsWienand/status/552419737440108546">6. Januar 2015</a></blockquote>

FDP-Chef Christian Lindner grenzte in seiner mehr als einstündigen Rede vor rund 1400 Gästen in der Staatsoper seine Partei scharf von der Anti-Islam-Bewegung „Pegida“ und der rechtskonservativen AfD ab.

Trotz miserabler Umfragewerte von nur rund zwei Prozent zeigte sich Lindner für die nächsten Wahlen am 15. Februar in Hamburg und im Mai in Bremen optimistisch: „Der Wert einer Überzeugung misst sich nicht an Umfragen.“ Die FDP sei nach einem schonungslosen Selbstfindungsprozess bereit, wieder Verantwortung zu übernehmen.

Auch wenn neue Farben ihr Erscheinungsbild prägen, will sich die Partei im Kern treu bleiben. Liberale Grundüberzeugungen würden nicht verwässert. Im Gegenteil: „Wir wollen die Dosis erhöhen“, meinte Lindner, der eine „FDP pur“-Strategie ankündigte, um 2017 die Rückkehr in den Bundestag zu schaffen. Dafür werde die Partei seriös arbeiten, und nicht blind auf die politische Konkurrenz einschlagen. „Wer nur die Schwächen anderer betont, scheint sich seiner eigenen Stärken nicht sicher zu sein.“

Eine Ausnahme machte Lindner bei „Pegida“ und AfD. Zu den Dresdner Demonstranten meinte er: „Wer sie pauschal als Mischpoke oder Nazis in Nadelstreifen beschimpft, der treibt sie gerade erst in die Arme von Pegida.“ Die AfD mache sich mittlerweile mit „Pegida“ gemein. „Die bürgerliche Maske ist gefallen, dahinter verbirgt sich ein hässlich reaktionäres Gesicht.“ Der AfD-Machtkampf um Bernd Lucke zeige: „Der Professor Biedermann hat seine Schuldigkeit getan, jetzt übernehmen die Brandstifter.“

Schwerpunkte setzte Lindner auf Wirtschaft, Bildung und Bürgerrechte. Überraschend kündigte der 35-Jährige an, dass die FDP sich wieder für Steuersenkungen starkmachen will. Das gescheiterte „Mehr-Netto-vom-Brutto“-Versprechen von 2009 war ein Hauptgrund für das Scheitern bei der Bundestagswahl gewesen. Seit seine Partei aus dem Bundestag raus sei, sei dort die Steuerpolitik komplett vom Radar verschwunden. Es sei aber faszinierend, jeden Tag für ein gerechteres Steuersystem zu arbeiten.

Lindners Vorgänger, Philipp Rösler, hatte vor drei Jahren an Dreikönig das Steuerthema als FDP-Leitmotiv beerdigt. Zur Krise der FDP, die nur noch in sechs Landtagen ist, meinte Lindner, auch er selbst habe in der schwarz-gelben Koalition Fehler gemacht. Die FDP habe ohne aufzumucken hingenommen, dass die Union die liberalen Steuersenkungspläne einkassiert habe. So etwas dürfe nie wieder passieren: „Die Selbstachtung lassen sich Freie Demokraten niemals mehr nehmen.“

Zu ihrem Treffen bekam die ums Überleben kämpfende FDP Rückendeckung aus der deutschen Wirtschaft. 15 Monate nach dem historischen Scheitern der Liberalen bei der Bundestagswahl sagte Industriepräsident Ulrich Grillo: „Die FDP als wirtschaftspolitisches Gewissen fehlt mir, das sieht man ja im Bundestag.“

Grillo glaubt nicht, dass das Totenglöckchen für die FDP bald endgültig läutet. „Die ist noch nicht abgeschrieben.“ Der Topmanager, der als Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) die politischen Interessen von mehr als 100.000 Firmen mit gut acht Millionen Beschäftigten vertritt, sieht neue Chancen für die FDP, weil die große Koalition aus Union und SPD in der Wirtschaftspolitik zu wenig tue. „Man kann nur hoffen, dass es der FDP bald wieder besser geht.“

In den vergangenen Wochen haben bereits mehrere namhafte Industrielle und Manager den Liberalen signalisiert, ihnen beim Wiederaufstieg helfen zu wollen. Bei der Wahl vor 15 Monaten hatte die FDP erstmals in ihrer Geschichte den Einzug in den Bundestag verpasst. Danach flog sie auch in Sachsen, Brandenburg und Thüringen aus den Landesparlamenten.

„Für die Partei war die Lage nie so ernst wie heute“, sagte Wolfgang Kubicki der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“ (Dienstag). „An eine ähnlich schwierige Situation kann ich mich nicht erinnern.“

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