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Griechenland-Krise : Faymann trifft Tsipras: Österreich hat Angst vorm Grexit

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Die Hoffnung stirbt zuletzt, die Vermittlungsbemühungen gehen weiter. Am Mittwoch versucht der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann sein Glück.

shz.de von
erstellt am 17.Jun.2015 | 10:18 Uhr

Athen/Brüssel | Einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Sitzung der Euro-Finanzminister gehen die Vermittlungsbemühungen in der Griechenland-Krise weiter. Der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) trifft in Athen den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras. Er habe sich zuvor ausführlich mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker abgestimmt und wolle ihn dabei unterstützen, zu einem Ergebnis zu kommen, sagte Faymann am Dienstag in Wien. Allerdings sehe er die Gefahr, dass man sich an die Idee eines „Grexit“ gewöhne. An einem solchen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro sei niemand interessiert, versicherte der SPÖ-Politiker.

Für Griechenland wird die Zeit knapp, will es mit EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) noch bis zum 30. Juni eine Einigung über die Auszahlung von Hilfsgeldern in Höhe von 7,2 Milliarden Euro erzielen. Dann läuft das schon zweimal verlängerte Hilfsprogramm für Athen auf europäischer Seite aus. Ohne Einigung droht Athen die Staatspleite.

In Berlin will Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) am Vormittag den Haushaltsausschuss des Bundestages in nicht-öffentlicher Sitzung über den Stand der Verhandlungen mit Athen informieren. In Frankfurt berät das Präsidium der Europäischen Zentralbank (EZB) - ebenfalls hinter verschlossenen Türen - über eine Verlängerung der Notkredite für Griechenland. Ergebnisse sollen danach nicht bekanntgegeben werden.

Angesichts der dramatischen Lage wird in Brüssel über einen Krisengipfel an diesem Wochenende spekuliert. Zunächst werde jedoch abgewartet, ob es beim Treffen der Euro-Finanzminister am Donnerstag in Luxemburg Weichenstellungen für das griechische Spar- und Reformprogramm gebe, berichteten Diplomaten in Brüssel.

Ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro kann nach Einschätzung des US-Ökonomen Dennis Snower Europa destabilisieren. „Ein Grexit wäre sehr risikoreich, und vor allem die politischen Folgen lassen sich kaum abschätzen“, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Nach der Rückkehr zur Drachme und einer Staatspleite könnte Griechenland nur mit einem Verzicht auf die Rückzahlung seiner gigantischen Schuldenlast sowie mit europäischen Finanzhilfen überhaupt wieder vorankommen.

Kurzfristig wären die ökonomischen Folgen eines „Grexit“ für den Rest der Euro-Zone überschaubar, „aber für Griechenland wären auch schon die kurzfristigen Wirkungen schmerzlich“, sagte Snower. Wenn ein „Grexit“ nicht durch Europa abgefedert würde, „droht Griechenland zu einem politisch und ökonomisch instabilen Staat zu werden“. Davon gingen dann auch Gefahren für die wirtschaftliche und politische Stabilität des übrigen Europa aus. Bei einer länger anhaltenden politischen und ökonomischen Instabilität in Griechenland sei auch die Konjunktur in anderen europäischen Ländern gefährdet - durch die entstehende Unsicherheit, die das Investitionsklima ausbremse.

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen spricht sich für ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone aus. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Instituts YouGov würden es 58 Prozent vorziehen, dass das Land den Euro verlässt. 28 Prozent wollen Griechenland im Euro behalten. 14 Prozent haben dazu keine Meinung oder machten keine Angaben. Für wahrscheinlich halten 49 Prozent einen Austritt, 41 Prozent halten dies für unwahrscheinlich.

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