Nach dem Gipfel in Singapur : Falsche Versprechungen: Warum die Nordkorea-Initiative Trumps in der Sackgasse steckt

Drei Monate nach dem Gipfel von Singapur stellte die Trump-Regierung dasselbe strategische Durcheinander zur Schau, das schon die Wochen vor dem Treffen mit Kim geprägt hatte.
Drei Monate nach dem Gipfel von Singapur stellte die Trump-Regierung dasselbe strategische Durcheinander zur Schau, das schon die Wochen vor dem Treffen mit Kim geprägt hatte.

Donald Trump machte Kim Jong-Un beim Gipfel in Singapur Versprechen, die er nicht halten konnte oder wollte.

<p>„Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bestätigt', sagt US-Korrespondent Thomas Spang über Donald Trump.</p> von
30. August 2018, 19:23 Uhr

Washington | Niemand weiß genau, was US-Präsident Trump dem Diktator bei seinen Vieraugen-Gespräch tatsächlich gesagt hat. Wenn aber stimmt, was das Online-Portal VOX unter Berufung auf Quellen im Weißen Haus berichtet, versprach Trump, zeitnah eine Erklärung zu unterschreiben, die offiziell den Krieg auf der koreanischen Halbinsel beendete.

Unklar bleibt, wer die Idee in die Gespräche einbrachte. Für Kim wäre die Überführung des Waffenstillstands von 1953 in ein offizielles Friedensabkommen eine wichtige Errungenschaft, die ihm Spielraum gegenüber seiner Militärs verschaffte.

Das könnte erklären, warum sich der Ton zwischen beiden Seiten in den vergangenen Tagen wieder spürbar verschärft hat. In der Praxis geschah nach dem Gipfel nämlich etwas anderes. US-Außenminister Mike Pompeo verknüpfte bei seinen Folgegesprächen immer neue Bedingungen an die mutmaßliche Zusage Trumps. Unter anderen verlangte der Minister von Pjöngjang, binnen sechs bis acht Monaten 60 bis 70 Prozent seiner Atomsprengköpfe zu übergeben.

Beschwerde des Außenministeriums

In einer Stellungnahme vom 9. August beschwerte sich das nordkoreanische Außenministerium dann öffentlich über Mitglieder der US-Regierung, „die sich gegen die Intentionen von Präsident Trump stellen“.

Damit konnten nur Pompeo und Verteidigungsminister Jim Mattis gemeint sein. Vor allem der Pentagon-Chef hatte schon früh zu erkennen gegeben, dass er nicht viel von dem unkonventionellen Vorstoß Trumps hielt. Am Dienstag sorgte Mattis für eine faustdicke Überraschung als er die Wiederaufnahme der Manöver mit Nordkorea in Aussicht stellte.

Präsident Trump seinerseits stoppte eine geplante Reise Pompeos nach Pjöngjang mit der Begründung, es seien zu wenige Fortschritte erzielt worden. Später fuhr er Mattis via Twitter in die Parade.

Gefahr einer militärischen Eskalation

Erst bekräftigte Trump die von ihm versprochene Suspendierung der Manöver, um kurz darauf in der dritten Person zu sagen, „ein US-Präsident“ könne sie jederzeit wieder ansetzen. „Wenn er es macht, werden sie um ein vielfaches größer sein als zuvor“.

Drei Monate nach dem Gipfel von Singapur stellte die Trump-Regierung dasselbe strategische Durcheinander zur Schau, das schon die Wochen vor dem Treffen mit Kim geprägt hatte. Experten fürchten, dass Trump mangels eines klar strukturierten Verhandlungsprozesses nun die Handlungsoptionen ausgehen. Die Folge könnte eine Rückkehr des Säbelrasseln und die Gefahr einer militärischen Eskalation sein.

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