Giftanschlag in Salisbury : Fall Skripal: Russischer Diplomat verlangt britische Beweise

Polizisten suchen in den Queen Elizabeth Gardens in Salisbury nach Spuren. /PA/AP
Polizisten suchen in den Queen Elizabeth Gardens in Salisbury nach Spuren. /PA/AP

Einem Pressebericht zufolge haben die Ermittler im Fall des mit Nowitschok vergifteten Ex-Spions russische Verdächtige identifiziert. Eine Bestätigung dafür gibt es bislang nicht. Der zuständige britische Staatssekretär bezeichnete den Bericht als Spekulation.

shz.de von
19. Juli 2018, 21:02 Uhr

Im Fall des vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal verlangt Russland eine Erklärung der britischen Behörden zu neuen Verdächtigungen.

«Ich will das von Scotland Yard oder dem Außenministerium hören», nicht aus der Presse, sagte der russische Botschafter in Großbritannien, Alexander Jakowenko, der Agentur Interfax zufolge in Moskau.

Die britische Nachrichtenagentur PA hatte zuvor berichtet, die Polizei habe mutmaßliche Täter des Giftangriffs auf Skripal (67) und seine Tochter Julia (33) im März im südenglischen Salisbury identifiziert. Es handle sich dabei um mehrere Russen, hieß es unter Berufung auf eine Quelle aus dem Umfeld der Ermittlungen.

Ein Scotland-Yard-Sprecher konnte den Bericht auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht bestätigen. Es seien auch keine neuen Pressemitteilungen in dem Fall in nächster Zeit geplant. Auch die Polizei in der Grafschaft Wiltshire wollte sich nicht äußern. Der britische Staatssekretär für Sicherheit, Ben Wallace, schrieb auf Twitter, der Bericht gehöre in die Akte «schlecht informiert und wild spekuliert».

«Die Ermittler glauben, dass sie die Tatverdächtigen des Nowitschok-Angriffs mithilfe von Überwachungskameras identifiziert haben», hatte PA eine nicht namentlich genannte Quelle zitiert. Die Aufzeichnungen seien mit Einreisedaten nach Großbritannien abgeglichen worden. «Sie (die Ermittler) sind sicher, dass sie (die Verdächtigen) Russen sind», zitiert PA weiter.

Die Polizei ermittelt auch im Fall einer inzwischen gestorbenen 44-jährigen Frau und eines 45-jährigen Mannes, die durch eine kleine Flasche mit dem Nervengift Ende Juni in Kontakt gekommen waren. Nun soll festgestellt werden, ob das Gift aus derselben Quelle stammt wie die Substanz, mit der Skripal und seine Tochter vergiftet worden waren. Die Ermittler halten es für wahrscheinlich, dass die beiden Fälle in Zusammenhang miteinander stehen.

Der Mann ist mittlerweile wieder ansprechbar und konnte von den Ermittlern befragt werden. Er befindet sich nach Angaben der Polizei in einem stabilen, aber ernsten Zustand.

London wirft Moskau vor, Drahtzieher des versuchten Mordanschlags auf die Skripals gewesen zu sein. Russland weist die Vorwürfe zurück und fordert Beweise. Botschafter Jakowenko sagte, Russland sei zur Zusammenarbeit mit den britischen Behörden bereit - und bekräftigte die Forderung, Zugang zu den Ermittlungen zu bekommen.

Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt, später wurde damit auch in anderen Ländern experimentiert. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus. Mehr als zwei Dutzend Länder wiesen russische Diplomaten aus. Russland reagierte ebenfalls mit Ausweisungen.

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