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Mindestens 80 Tote : Explosion in Kabul: Bedienstete der deutschen Botschaft bei Anschlag verletzt

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Mehr als 300 Menschen werden verletzt. Die Botschaft wird schwer beschädigt – ein Sicherheitsmitarbeiter stirbt.

Kabul | Bei einem der schwersten Anschläge in der afghanischen Hauptstadt Kabul seit Jahren sind nahe der deutschen Botschaft mindestens 80 Menschen getötet worden. Weitere 320 wurden verletzt, hieß es in einer Mitteilung des afghanischen Innenministeriums. Es handele sich um Zivilisten, unter ihnen seien Frauen und Kinder. Viele Verletzte seien in kritischer Verfassung. Die deutsche Botschaft liegt unweit vom Anschlagsort entfernt. Auch Bedienstete der Botschaft wurden verletzt. Ein afghanischer Sicherheitsmitarbeiter, der das Gelände beschützte, wurde getötet, wie Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in Berlin mitteilte. Ein Amateurvideo zeigt das Ausmaß der Explosion:

Es ist der achte schwere Anschlag in Kabul seit Jahresbeginn. Hunderte Menschen sind bei diesen Anschlägen der radikalislamischen Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getötet oder verletzt worden.

Gabriel berichtete, der Anschlag sei in „unmittelbarer Nähe“ der deutschen Botschaft verübt worden. Am Vormittag seien alle Mitarbeiter in Sicherheit gebracht worden. Bilder vom Anschlagsort zeigen, dass auch die Deutsche Botschaft massiv beschädigt wurde. An der Frontseite wurden unter anderem Dutzende Fenster eingedrückt. In dem Gebäude haben auch der Botschafter und sein Stellvertreter ihre Büros.

Der Bundesaußenminister verurteilte die Bluttat aufs Schärfste. „Unsere Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer.“ Zugleich betonte er: „Solche Anschläge ändern nichts an unserer Entschlossenheit, die afghanische Regierung bei der Stabilisierung des Landes weiter zu unterstützen.“ Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich entsetzt: „Meine Gedanken und meine Anteilnahme gelten den Opfern dieses Anschlags und ihren Familien. In Momenten wie diesen wird uns einmal mehr klar: Der Terrorismus kennt keine Grenzen. Er zielt auf uns alle - ob in Manchester oder Berlin, Paris, Istanbul, Sankt Petersburg oder heute Kabul. Wir sind heute über alle Grenzen hinweg in Entsetzen und in Trauer vereint.“ Zugleich gab sich Merkel entschlossen: „Wir werden den Kampf gegen den Terrorismus führen und wir werden ihn gewinnen.“

Die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland gleicht einem Trümmerhaufen.
Die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland gleicht einem Trümmerhaufen. Foto: dpa
Wegen Anschlag: Geplante Abschiebungen nach Afghanistan verschoben

Ein ursprünglich für diesen Mittwoch geplanter Flug zur Abschiebung abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan wird verschoben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Regierungskreisen. Hintergrund seien organisatorische Fragen. An der grundsätzlichen Haltung zu Abschiebungen in das Land hält die Regierung fest.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) informierte auch den Innenausschuss des Bundestages über die geänderten Pläne, wie aus Teilnehmerkreisen zu erfahren war.„Die deutsche Botschaft in Kabul hat eine wichtige logistische Rolle beim Empfang rückgeführter Personen vor Ort“, hieß es aus den Regierungskreisen. Die dortigen Mitarbeiter hätten so kurz nach dem Anschlag in Kabul nun Wichtigeres zu tun, als solche organisatorischen Maßnahmen vorzubereiten.

„In den nächsten paar Tagen wird es daher keine Sammelrückführung nach Afghanistan geben.“ Es bleibe aber richtig, Ausreisepflichten durchzusetzen. Dieser Grundsatz gelte auch für Afghanistan, insbesondere bei Straftätern, „und dieser Weg wird konsequent weiter beschritten“.

Der Sammelflug war eigentlich am Donnerstagmorgen in Kabul erwartet worden. Bisher hat Deutschland in fünf Sammelflügen 106 abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben. Die Abschiebungen sind wegen der Sicherheitslage umstritten. Menschenrechtsorganisationen, Verbände und Oppositionspolitiker fordern einen sofortigen Abschiebestopp nach Afghanistan.

 

Bislang hat sich keine Gruppe zu der Tat bekannt. Die radikalislamischen Taliban ließen aber verlauten, sie seien es nicht gewesen. Ähnliche Anschläge hatte zuletzt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert. Die Nato-Mission in Afghanistan verurteilt die Bluttat scharf. Der Anschlag spiegele die „barbarische Natur“ der Täter und deren völlige Gleichgültigkeit gegenüber Zivilisten wieder, erklärte das Hauptquartier des Einsatzes „Resolute Support“ in Kabul. Zugleich lobte die Nato die lokalen Sicherheitskräfte, die sich dem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug entgegen gestellt hätten, bevor dieses mitten im schwer gesicherten Regierungs- und Diplomatenviertel explodierte.

 

Der oder die Attentäter könnten für ihre Autobombe einen schwarzen Tanklastwagen für Wasser oder Abwasser benutzt haben, sagte der Sprecher des Innenministeriums Nadschib Danisch. „Aber weil die Explosion so schwer war, können wir das noch nicht mit Sicherheit sagen. Vom Tanker ist kaum noch etwas übrig.“ Die Explosion habe sich an einer viel befahrenen Straße zwischen der deutschen Botschaft und einem Sicherheitsposten am Sanbak-Platz ereignet, sagte Danisch. In den schwer gesicherten Vierteln stehen aber auch viele andere Botschaften, das Nato-Hauptquartier in Kabul und afghanische Ministerien. Tausende Mitarbeiter dieser Ministerien, von Botschaften und anderen Büros waren zur Zeit der Explosion um kurz nach 8.30 Uhr (Ortszeit) auf dem Weg zur Arbeit gewesen.

Die undatierte Satellitenaufnahme von Google zeigt den Stadtteil Wazir Akbar Khan (rot eingefärbt), die Deutsche Botschaft, die US-Botschaft, den Präsidentenpalast und den Sanbak-Platz in Kabul.
Die undatierte Satellitenaufnahme von Google zeigt den Stadtteil Wazir Akbar Khan (rot eingefärbt), die Deutsche Botschaft, die US-Botschaft, den Präsidentenpalast und den Sanbak-Platz in Kabul. Foto: dpa
 

Ein Hauptquartier von Afghanistans größter Telekommunikationsfirma Roshan liegt ebenfalls sehr nahe dem Anschlagsort. Der Sender Tolo TV meldete, viele der Opfer seien Roshan-Mitarbeiter. Die Straße ist eng und wird an beiden Seiten von hohen Sprengschutzmauern begrenzt. Die Wucht der Explosion habe mindestens 50 Fahrzeuge zerstört, sagte Ministeriumssprecher Danisch.

Eine riesige Rauchwolke steht nach der Explosion nahe der deutschen Botschaft über der Stadt.
Eine riesige Rauchwolke steht nach der Explosion nahe der deutschen Botschaft über der Stadt. Foto: dpa

Tolo TV meldete schwere Schäden an Gebäuden. Bilder zeigten eine von dichtem Rauch erfüllte Straße, mit zerrissenen Autowracks und blutigen Körpern. Die Nato-Mission Resolute Support ließ verlauten, man sei dabei zu überprüfen, wie es allen Nato-Mitarbeitern gehe. Afghanische Medien berichteten, es seien nun ausländische Soldaten am Ort der Explosion.

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erstellt am 31.Mai.2017 | 08:57 Uhr

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