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Kim gegen Trump : Experte sieht keine «unmittelbare Gefahr» für einen Krieg

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Die Furcht vor einem Krieg zwischen Nordkorea und den USA wächst. Pjöngjang und Washington scheinen sich mit gegenseitigen Drohungen überbieten zu wollen. Könnten den Worten auch Taten folgen?

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2017 | 13:04 Uhr

«Feuer und Wut» aus den USA und ein möglicher Raketenangriff Nordkoreas auf die US-Pazifikinsel Guam: Der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA schaukelt sich immer weiter hoch.

«Die gegenwärtige Lage ist vor allem durch eine rhetorische Eskalation gekennzeichnet», sagte der Nordkorea-Experte der Freien Universität Berlin, Eric Ballbach. Die wesentliche Lage auf der koreanischen Halbinsel und auch zwischen Nordkorea und den USA habe sich im Grunde nicht wesentlich verändert. «Beide Seiten versuchen natürlich Stärke zu zeigen», sagte Ballbach. Die harte Rhetorik sei auch innenpolitisch motiviert. Doch wie ernst muss man die Drohungen beider Länder nehmen?

Frage: Warum schlägt Staatschef Kim Jong Un jetzt so harte Töne an?

Antwort: In Nordkorea sieht man sich im Grunde genommen seit den 1950er Jahren mit einer Bedrohung konfrontiert - von den USA ausgehend. Das ist zum einen eine gewisse reelle Bedrohung. Wir haben aus den USA mehrfach schon die Möglichkeit eines Präventivschlags gegen Nordkorea gehört. Auf der anderen Seite geht Nordkorea bewusst dazu über, solche Bedrohungslagen zu konstruieren und rhetorisch zuzuspitzen. Das hat sehr starke innenpolitische Hintergründe. Auch in einer Diktatur wie Nordkorea muss ein so kosten- und ressourcenintensives Projekt wie das Nuklearprogramm in irgendeiner Weise vor der Bevölkerung legitimiert werden.

Frage: Wie sieht die Linie von US-Präsident Donald Trump aus?

Antwort: Trump hat momentan keine feste Linie. Wir hören ja Nordkorea-Strategien, die in alle Richtungen laufen. Wir hören vom Verteidigungsministerium und aus dem Weißen Haus immer wieder die Drohung, dass alle Optionen - auch die militärischen - auf dem Tisch liegen. Wir hören aus dem Außenministerium von Rex Tillerson aber ganz andere Töne. Ein Grund, warum wir so unterschiedliche Stimmen hören, ist, dass wir noch immer keinen Vize-Außenminister für Ostasien in den USA haben. Man spricht mit unterschiedlicher Stimme, weil es eben keine koordinierte Strategie gegenüber Nordkorea gibt. Trump versucht, das so zu erklären, dass er sagt, er möchte die Strategie nicht preisgeben. Die Tatsache, dass wir aber ganz unterschiedliche strategische Optionen aus dem Weißen Haus, aus dem Außenministerium und aus dem Verteidigungsministerium hören, zeigt, dass es keine umfassende Strategie gibt.

Frage: Wie wahrscheinlich ist eine Eskalation?

Antwort: Wir müssen das natürlich ernstnehmen. Wir dürfen nie ausschließen, dass es irgendwo - entweder in den USA oder in Nordkorea - Leute gibt, die diese militärische Gefahr weiter eskalieren lassen. Nichtsdestotrotz sehe ich keine unmittelbare Gefahr für einen Krieg. Zum einen besteht das Problem darin, dass ein Militärschlag gegen Nordkorea militärstrategisch nicht unproblematisch wäre. Wir wissen nicht genau, wo sich die nukleare Infrastruktur befindet. Ein Präzisionsschlag wäre nur sinnvoll, wenn wir den genauen Standort kennen. Zweitens wäre das ein Krieg in einer der wirtschaftlich dynamischsten Regionen der Welt, wo sich ja die Wirtschaftsräume Südkoreas, Japans, Chinas und strategisch betrachtet auch der USA überschneiden. Das hätte Einfluss über die ostasiatische Region hinaus. Drittens müssen wir im Fall einer militärischen Konfrontation davon ausgehen, dass Nordkorea entsprechend zurückschlägt. Angesichts dessen, dass Nordkorea einen Großteil seines Militärapparats entlang der südkoreanischen Grenze stationiert hat, kann man sich ausmalen, was für dramatische Folgen - auch menschliche Verluste - das nach sich ziehen würde.

Zur Person: Dr. Eric Ballbach ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Außen- und Sicherheitspolitik von Nord- und Südkorea.

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