zur Navigation springen

Rocker-Affäre in Kiel : Ex-Bandidos-Chef: „Ich war nicht der Informant“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Ex-Chef der aufgelösten Neumünsteraner „Bandidos“ spricht über seine Sicht in der „Rocker-Affäre“ bei der Polizei

shz.de von
erstellt am 18.Jul.2017 | 10:50 Uhr

Er war der Präsident der Neumünsteraner „Bandidos“, bis der Club vor sieben Jahren aufgelöst wurde. Jetzt ist Ralf B. (54) wieder in den Schlagzeilen: Er soll der Informant des Landeskriminalamts im sogenannten Subway-Verfahren gewesen sein. Seine Name ist von Journalisten öffentlich gemacht worden. Mit dem sh:z spricht der Rocker nun erstmals darüber.

 

Herr B., sind Sie der V-Mann des Landeskriminalamts gewesen?

Ich war nicht der Informant. Wenn es so gewesen wäre, wäre ich möglicherweise in Gefahr und das Landeskriminalamt hätte mich längst auf irgendeine Alm in Sicherheit gebracht. Aber ich bin hier und verstecke mich nicht.

Darum geht es: Der Rocker-Skandal beim Landeskriminalamt
Januar 2010: Im Subway griffen „Bandidos“ drei verfeindete „Red Devils“ an.
Januar 2010: Im Subway griffen „Bandidos“ drei verfeindete „Red Devils“ an. Foto:Joachim Krüger

 

Nach einer Messerstecherei im ehemaligen Neumünsteraner Schnellrestaurant der Kette Subway bekam die LKA-Abteilung „Verdeckte Ermittlungen“ einen Hinweis von einer Quelle innerhalb der „Bandidos“. Der Informant, der in dem Fall selbst zeitweise Beschuldigter gewesen sein soll, soll zwei Verdächtige entlastet haben.

Das Problem: Das LKA sicherte der Quelle trotz ihrer möglichen Tatbeteiligung Vertraulichkeit zu. Jetzt steht die Frage im Raum, ob das zulässig war. Zwei LKA-Ermittler stemmten sich damals gegen das Vorgehen ihrer Vorgesetzten, wurden versetzt. SPD-Innenexperte Kai Dolgner forderte einen Untersuchungsausschuss und sagte dem NDR: „Das LKA war in einem Dilemma. Sollte man die Quelle auffliegen lassen und ins Zeugenschutzprogramm nehmen oder schützen?“ Man habe sich für den Schutz entschieden, was nun aus rechtsstaatlicher Sicht geprüft werden müsse.

 

 

Was haben sie gedacht, als sie Ihren Namen in der Zeitung gelesen haben?

Ganz ehrlich? Ich habe die beiden verantwortlichen Redakteure auf dem Zettel gehabt, wollte sie besuchen. Glücklicherweise vertrauen mir die Leute, die mich kennen und sind überzeugt, dass ich nicht mit der Polizei zusammengearbeitet habe. Trotzdem überlege ich, bei dieser Rufmordkampagne anwaltlich alle Register zu ziehen.

 

Wieso ist Ihr Name überhaupt in den Medien aufgetaucht?

Ich habe mich gefragt, wem es nützt, meine Person ins Rampenlicht zu rücken. Ich habe die Bandidos im Norden aufgebaut, bin noch heute eine Hassfigur für die Hells Angels. Mich als vermeintlichen Spitzel aus dem Spiel zu kegeln, dürfte die Hells Angels freuen.

 

Das müssen Sie genauer erklären.

Ich gehe davon aus, dass die beiden später geschassten LKA-Ermittler wirklich davon ausgingen, ich sei der Informant. Sehr wahrscheinlich, weil die Abteilung für V-Leute im Landeskriminalamt damals extra dick aufgetragen hat, was die Wichtigkeit ihrer Quelle angeht und von einem hochrangigen Informanten gesprochen hat. Aber mal ehrlich: Die Anklage ging beim Subway-Überfall von bis zu acht Tätern aus. Wenn der Informant so hochrangig war und außerdem an der Tat beteiligt, warum hat er dann die Namen nicht geliefert?

 

Haben die „Bandidos“ herausgefunden, wer der Informant ist?

Innerhalb des Clubs konnte nie geklärt werden, wer die Quelle der Polizei ist.

 

Zurück zu der Frage, warum Ihr Name kolportiert wurde?

Wie gesagt, die beiden LKA-Ermittler gingen vielleicht davon aus, dass ich der Informant war. Dann kam es innerhalb der Soko Rocker zum Streit über den Umgang mit den Aussagen der Quelle. Einer der geschassten Beamten wählte dann ausgerechnet einen bekannten Hells-Angels-Verteidiger, um sich bei seinen dienstlichen Problemen vertreten zu lassen. Dieser Rechtsanwalt, lange Jahre gut befreundet mit dem Hells-Angels-Führungszirkel, dürfte mit seinem Mandanten über die Mobbingvorwürfe gesprochen haben – und was dazu geführt hat. Die Gespräche führten dann vielleicht auch zu der Frage, wer die Quelle war. Und da hatte der Beamte offenbar seine ganz eigene Vermutung.

 

Und so gelangte Ihr Name in die Öffentlichkeit?

Das kann ich nicht belegen. Es gibt ja noch andere Figuren in diesem Spiel. So gibt es Rechtsanwälte, die die Ermittlungsakte zum Subway-Verfahren verteilen wie einen Party-Flyer. Es ist erstaunlich, wie viele Leute sich mit dieser Geschichte jetzt profilieren wollen.

 

Zum Beispiel?

Der SPD-Innenexperte Kai Dolgner. Wie bekannt ist, bin ich wegen Hehlerei in einem An- und Verkaufsgeschäft zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten verurteilt worden. Um das Verfahren abzukürzen und nicht alle 150 Zeugen hören zu müssen, war ein Deal gemacht worden. Nun stellt sich Herr Dolgner hin und vermutet einen Polizeispitzelbonus. Und das, obwohl mein Arbeitskollege für den gleichen Tatvorwurf nur neun Monate bekommen hat. Ich bin wirklich erstaunt, dass gerade Herr Dolgner als Rechtsexperte ein Gericht verdächtigt, mir Vorteile zuzugestehen. Ich habe deshalb den Verdacht, er nutzt das ganze Spektakel lediglich als politische Bühne.

 

Wie bewerten Sie die aktuellen Vorgänge innerhalb der Polizei?

Jeder Polizist, der mal schlecht behandelt wurde, kommt jetzt mit seiner Geschichte um die Ecke und hat die Garantie, dass sie erzählt wird. Ist für die Polizei irgendwie traurig, mich freut es natürlich. Ich wurde rund um die Uhr observiert. Und die Polizisten haben mich nie mit Samthandschuhen angefasst.

 

Aber bei einer Hausdurchsuchung mal die Schuhe ausgezogen.

Wie das aus dem Zusammenhang gerissen wird, hat mich besonders geärgert, weil der Eindruck entsteht, ich und die Polizei stecken unter einer Decke. Hintergrund für die Durchsuchung auf Socken war, dass das Land von meiner Lebensgefährtin bereits eine Rechnung von 12.000 Euro bekommen hat. Unter anderem für einen verschmutzten Teppich bei einer Durchsuchung ein halbes Jahr zuvor. Und meine Bitte, Rücksicht auf meine Lebensgefährtin zu nehmen, die krebskrank im Sterben lag, halte ich nicht für ungewöhnlich.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen