Mord an Jan Kuciak und seiner Verlobten : Europaparlament will Team in die Slowakei schicken – erste Festnahmen

Der Doppelmord sorgt für großes mediales Echo.

Der Doppelmord sorgt für großes mediales Echo.

Kuciak war bei Recherchen auf mögliche Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Politikern gestoßen.

shz.de von
01. März 2018, 14:36 Uhr

Brüssel | Das Europaparlament will nach dem Doppelmord an einem Enthüllungsjournalisten und seiner Verlobten in der Slowakei ein Untersuchungsteam entsenden. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani kündigte am Donnerstag in Brüssel an, dafür einen Beschluss vorzubereiten. Der CSU-Abgeordnete Manfred Weber hatte zuvor als Vorsitzender der christdemokratischen EVP-Fraktion einen entsprechenden Antrag gestellt.

Weber begründete dies damit, dass die Morde nach jüngsten Berichten auch mit der Veruntreuung von EU-Geldern in Zusammenhang stehen könnten. „Das Europäische Parlament muss die treibende Kraft sein, um Licht ins Dunkel der Vorfälle in der Slowakei zu bringen“, sagte er.

Unterstützung bekam Weber unter anderem von dem Grünen-Abgeordneten Sven Giegold. „Journalisten müssen das Recht haben, frei zu arbeiten, auch wenn sie zu Korruptions- und Steuerfällen recherchieren“, kommentierte er im Parlament.

Der 27 Jahre alte Journalist Jan Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren in der Nacht zum Montag in ihrem Haus im Dorf Velka Maca in der Westslowakei tot aufgefunden worden. Sie waren nach Polizeiangaben durch Schüsse in Kopf und Brust im Stil einer Hinrichtung getötet worden.

Kuciak hatte über den Filz von Politik und Geschäftemacherei recherchiert und war dabei auf mögliche Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Politikern und Regierungsmitarbeitern gestoßen. Seine unvollendete letzte Reportage dazu wurde nach seinem Tod in mehreren slowakischen Medien und inzwischen auch in deutscher Übersetzung von der Tageszeitung „Die Welt“ veröffentlicht.

Slowakische Polizei nimmt Italiener fest

Mindestens zwei italienische Geschäftsleute wurden am Donnerstag festgenommen. Nach Informationen des Onlineportals der Tageszeitung „Sme“ handelte es sich dabei um Antonino Vadala und seinen Bruder Bruno, sowie möglicherweise auch noch um einen Cousin der beiden. Vadala taucht in der unvollendeten letzten Reportage des ermordeten Journalisten Jan Kuciak als wichtigster Drahtzieher eines mutmaßlichen italienischen Mafia-Netzwerks in der Slowakei auf.

Polizeipräsident Tibor Gaspar wollte in einer Stellungnahme für das Onlineportal die Namen der Festgenommenen nicht direkt nennen, bestätigte aber auf eine Journalistenfrage: „Ja, es geht um Personen, die in der letzten Reportage von Herrn Kuciak erwähnt wurden. Und ja, wir können das als die italienische Spur bezeichnen.“ Gaspar kündigte weitere Festnahmen an, die bald erfolgen sollten. Innerhalb kurzer Zeit rechne er mit „insgesamt bis zu zehn Personen.“ Die Festnahmen seien im Zuge von mehreren Hausdurchsuchungen im Umfeld der Firmen und Privathäuser der in Kuciaks Recherchen genannten Personen in der Ostslowakei erfolgt.

Die italienischen Unternehmer sollen nach den letzten Recherchen des Ermordeten mit kalabrischen Mafiagruppen in Verbindung stehen und sich in der Slowakei auf Steuerbetrug und Missbrauch von EU-Förderungen spezialisiert haben. Kuciak wies in seiner unvollendeten Reportage darauf hin, dass die Italiener in der Slowakei ein Netzwerk an politischen Verbindungen bis direkt in das Büro des sozialdemokratischen Regierungschefs Robert Fico aufgebaut hätten. So soll Ficos persönliche Assistentin Maria Troskova eine ehemalige Geschäftspartnerin und Lebensgefährtin von Antonino Vadala gewesen sein. Troskova lässt seit Mittwoch ebenso wie ein anderer mit Vadala in Verbindung gebrachter Fico-Vertrauter die Tätigkeit im Regierungsamt bis zur Aufklärung der Tat ruhen.

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