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Kommentar zum Brexit-Votum : Europa muss in den Köpfen ankommen

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Es gibt größere Herausforderungen für die EU, als nur den Austritt Großbritanniens abzuwickeln, meint Bernd Ahlert.

Es schon abenteuerlich, was sich nach dem Brexit-Votum diesseits und jenseits des Ärmelkanals abspielt. Die Briten haben ganz offensichtlich erst nach ihrem Ja zum Austritt aus der EU begriffen, welche Konsequenzen das hat. Zu spät. Dabei waren die Folgen bekannt: Die Abschottung der britischen Wirtschaft mit gravierenden Einschnitten für Konjunktur und Arbeitsplätze. Politisches Chaos. Und ein drohender Zerfall Großbritanniens durch die mögliche Abspaltung Schottlands und Nordirlands. Aber Millionen Briten haben es so gewollt.

Das ist die Kehrseite der direkten Demokratie: Absurde und gefährliche Entscheidungen sind nicht ausgeschlossen. Schon wird über ein zweites Referendum nachgedacht, um das Schlimmste zu verhindern – noch so eine spleenige Idee. Soll das Volk solange abstimmen, bis das Ergebnis passt? Und selbst wenn: Auch ein zweites, knappes Votum für den Verbleib in der EU würde die Sache nicht besser machen. Es würde nichts an der Tatsache ändern, dass Großbritannien bei der Frage „In or Out“ tief gespalten ist und die Briten ein tief gespaltenes Verhältnis zu Europa haben.

Und die EU? Nach kurzer Schockstarre machen Juncker, Schulz&Co. Druck. Austritt sofort, heißt die Losung. Dabei gibt es größere Herausforderungen für die Eurokraten, als den Austritt einfach nur abzuwickeln. So wie bisher kann es nicht weiter gehen. In den meisten EU-Ländern gibt es in der Bevölkerung massive Vorbehalte gegen die EU, die als Bürokratiemonster, als gigantische Umverteilungsmaschinerie und als Politbetrieb gesehen wird, der die Sorgen und Probleme seiner Bürger längst aus den Augen verloren hat. In einem hat Vizekanzler Sigmar Gabriel Recht: Europa muss sozialer und gerechter werden. Vor allem aber muss es in den Köpfen der Menschen als das ankommen, was es eigentlich ist: Ein Staatenbündnis, das Frieden und Wohlstand garantiert. Das ist die eigentliche Herausforderung. Gelingt das nicht, ist die EU verloren. 

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erstellt am 27.Jun.2016 | 06:30 Uhr

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