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Steuern und Gebühren : Europa gegen die Plastiktüte: Die EU macht Ernst

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Die EU geht gegen umweltschädliche Plastiktüten vor und will den Verbrauch begrenzen. Kunden sollen verstärkt für Plastiktüten zur Kasse gebeten werden. In Schleswig-Holstein gibt es bereits Pläne.

Brüssel | Die Europäer sollen künftig deutlich weniger Plastiktüten verbrauchen als bisher. Entsprechende und bereits beschlossene Pläne wollen die für Wettbewerbsfragen zuständigen Minister der Europäischen Union (EU) am Montag bei einem Treffen in Brüssel endgültig absegnen. Um weniger leichte Einwegtüten in Umlauf zu bringen, dürfen die EU-Staaten künftig Steuern oder Gebühren auf Beutel erheben. Zudem sollen die Staaten konkrete Ziele zur Verminderung beschließen. Auch nationale Verbote wären dann möglich. Damit würden viele Verbraucher stärker zur Kasse gebeten. Teilweise müssen Kunden schon heute im Laden geringe Centbeträge für Plastiktüten zahlen, doch häufig sind die Beutel noch gratis.

Nicht betroffen von dem Vorhaben sind robuste Mehrfachtüten oder extrem dünne Tüten, die für Obst, Gemüse oder Frischfleisch benutzt werden. Die Pläne sollen vor allem der Umwelt helfen. Es kann Hunderte Jahre dauern, bis sich Plastikbeutel in der Natur zersetzen. Ein Problem sind Müllteppiche aus Plastiktüten und Kunststoff im Meer. Der Abfall kann - etwa in kleinsten Teilchen - zum Beispiel von Tieren aufgenommen werden und sie schwächen oder töten. Die EU-Botschafter hatten bereits im November 2014 geschlossen für das Vorhaben gestimmt.

Jeder Bürger in Europa soll bis Ende 2025 im Schnitt noch 40 Beutel verbrauchen - das wären knapp 80 Prozent weniger als 2010. In Deutschland werden allerdings schon heute vergleichsweise wenige Tüten genutzt. So nutzte nach Angaben der EU-Kommission im Jahr 2010 jeder Deutsche im Durchschnitt 64 Einwegtüten. Zum Vergleich: Der europäische Durchschnitt lag bei 176 Einwegtüten.

Eine große Mehrheit der deutschen Verbraucher ist laut einer Umfrage für eine Gebühr bei Plastiktüten. Wie die Konsumforscher der Nürnberger GfK mitteilten, hielten 85 Prozent der Befragten eine solche Abgabe im gesamten Einzelhandel für sinnvoll. Als wichtigsten Grund führten die Befürworter Müllvermeidung an. Wichtige Argumente waren zudem der Schutz von Gewässern und Tieren, die durch Plastikmüll gefährdet sind. Nur knapp drei Prozent der Befragten würden demnach in Zukunft noch eine Plastiktüte nutzen, wenn sie dafür zahlen müssten. Die Hälfte der Teilnehmer gab an, dann lieber eine eigene Tasche mitzunehmen.

Während die Bundesregierung derzeit noch keinen akuten Handlungsbedarf für eine Abgabe sieht, gibt es in Schleswig-Holstein bereits Bewegung. In Flensburg plant man schon lange Veränderungen. Ohne Gegenstimmen beschloss der Planungsausschuss im August 2014, dass die Stadt alles unternimmt, um den Verbrauch von Einweg-Plastiktüten um 90 Prozent zu reduzieren. Das große Ziel - „Flensburg ohne Plastiktüten“ - wird so schnell und wohl auch nicht vollständig zu erreichen sein. Aber zumindest soll der Verbrauch von Plastiktüten deutlich reduziert werden. Das Problem liege vor allem in den kleinen, dünnen Tüten, die in den Obst- und Gemüseabteilungen der Supermärkte massenhaft ausgegeben werden. Viel besser wären Papiertüten, die man entweder in den Kompost oder ins Altpapier geben könne, sagt Axel Kohrt, Vorsitzender des Planungsausschusses. Verbote sind nicht vorgesehen und wohl auch nicht möglich auf kommunaler Ebene.

In Flensburg geht es los mit einer Informationskampagne auf der Homepage der Stadt, von wo der Interessierte auf die Seite der Deutschen Umwelthilfe (DUH) weiter geleitet wird. Hier kann man sich ausführlich über das Thema informieren und erfahren, mit welchen Aktionen andere Städte auf die Problematik aufmerksam gemacht haben – Berlin zum Beispiel mit einer neun Kilometer langen Schlange aus Tüten. Die zweite Säule ist eine Podiumsdiskussion, mit der die Stadt bereits 25. Februar in der Bürgerhalle über das Thema informierte.

Bleibt der Schulwettbewerb, den Joachim Kaulbars (Abteilung Stadtentwicklung und Umweltplanung) organisiert. „Wir wollen die Kreativität der jungen Menschen nutzen“, so Kaulbars. Schüler ab Klasse 8 dürfen und sollen sich Gedanken über die Frage machen, wie man das Thema Flensburg ohne Tüten zu den Menschen bringen kann. „Es geht um eine langfristige Umsetzung“, betont Kaulbars. Mitmachen können einzelne Schüler, Arbeitsgruppen oder ganze Klassen; letzter Termin für die Abgabe der Wettbewerbsbeiträge ist der 31. Mai 2015. Jede Schule, die mitmacht, bekommt neben einer Urkunde eine größere Menge origineller Stoffbeutel. Für die drei Erstplatzierten sind Geldpreise in Höhe von 500, 300 und 200 Euro vorgesehen.
Auch das Technische Betriebszentrum ist in das Projekt eingebunden. „Wir setzen auf Abfallvermeidung“, verkündet TBZ-Sprecher Ralf Leese. Darum soll die Position eines Abfallberaters, den es früher schon einmal gab, wieder eingeführt und neu besetzt werden. Konkretes Ziel sei ein Abfallvermeidungsprogramm.

Auch auf den nordfriesischen Inseln hat der Kampf gegen die Plastiktüte begonnen. Die Inselgruppe Föhr-Amrum des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat bereits in mehreren Workshops, an denen auch Vertreter verschiedener insularer Einrichtungen beteiligt waren, die Folgen des Plastikmülls unter anderem für die Meeresbewohner beleuchtet.

Um ein Zeichen zu setzen, haben Annemarie Lübcke und Renate Sieck die Kampagne „Plastikarme Inselumwelt“ ins Leben gerufen, und es ist ihnen in mehreren Gesprächsrunden gelungen, Einzelhändler von ganz Föhr ins Boot zu holen. Ihre Idee ist es, den Müll bereits beim Einkauf durch den Verzicht von Plastikverpackungen zu reduzieren. Deshalb soll in Zukunft an jedem ersten Montag eines Monats für einen plastiktütenfreien Tag geworben werden. „Wir wollen einfach versuchen“, so Lübcke dazu, „die Plastiktüten an diesem Tag in den Geschäften nicht in vorderster Reihe zu präsentieren“. Als „flankierende Maßnahme“, will der BUND an diesem Tag mit einem Stand präsent sein. Dabei hofft Lübcke auch auf die Unterstützung durch die Tourismus-Verantwortlichen. Es habe mit Sicherheit auch Auswirkungen auf das Föhrer Image, könne man auf die Zurückhaltung in Sachen Plastik verweisen.

Plastiktüten sollten...

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erstellt am 02.Mär.2015 | 08:13 Uhr

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