Europa, deine Rinder

shz.de von
16. Mai 2014, 12:29 Uhr

Der Bauer Ernst Hermann Maier aus dem schwäbischen Ostdorf weigert sich schon seit Jahren, seine Rinder mit der gelben, von der EU vorgeschriebenen Ohr-Marke zu kennzeichnen. Er sagt, die Kennzeichnung nimmt den Tieren ihre Würde. Darüber können viele nur spöttisch lächeln. Was schadet es einer Kuh, wenn sie eine Marke im Ohr hat? Bauer Maier meint aber: mit dieser Marke wird das Tier nicht mehr als lebendige Kreatur, als individuelles Lebewesen angesehen, sondern nur noch als Ware. Da steht jetzt nicht mehr die Kuh Elsa oder Emma vor uns, sondern umherlaufendes Rindfleisch. Noch nicht geschlachtet und abgepackt aber bereits als Fleisch gekennzeichnet und nicht mehr als Wesen, als lebendes Tier. Maier sieht ja ein, dass die Kennzeichnung dazu dient, die Herkunft des Rindfleisches sicher nachweisen zu können. Aber das, sagt er, könne man auch anders, z.B. mit reiskorngroßen Transpondern, die keiner sieht, wie bei Rennpferden. Die EU aber will ihn zu der Markierung zwingen. Die EU ist ja auch selbst kein lebendes Wesen, sondern eine Ansammlung von seelenlosen Bürokraten. Ich höre, Zeus der Göttervater, soll gedroht haben: „Habt ihr vergessen, dass ich mich für Europa extra in einen Stier verwandelt habe? Wollt ihr mir etwa auch zwei gelbe Marken in die Ohren nieten? Seht euch vor! Legt euch nicht mit den Göttern an!“

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